Karpfen, Cyprinus carpio.

Einen Karpfen gezielt mit der Fliegenrute zu überlisten setzt zwei Dinge voraus: Es müssen viele Karpfen im Gewässer vorhanden sein und der Sommer muss mit hohen Temperaturen die Karpfen an die Oberfläche locken.

Artbeschreibung
Gestalt und Beschuppung sind beim Karpfen sehr variabel. Die vollständig beschuppte Form, oft auch fälschlicherweise als Wildform bezeichnet, ist relativ gestreckt bis hochrückig und oft nur wenig seitlich zusammengedrückt. Daneben gibt es drei weitere hochrückige Zuchtformen: den Spiegelkarpfen mit wenigen, unregelmäßig verteilten Schuppen an den Flossenbasen und auf dem Schwanzstiel (häufigster Beschuppungstyp), den Zeilkarpfen mit je einer geschlossenen Schuppenreihe entlang der Seitenlinie und des Rückens sowie den nahezu unbeschuppten Nackt- oder Lederkarpfen. Das Maul des Karpfens ist endständig, rüsselartig ausstülpbar und mit je einem Paar kurzer und langer Barteln versehen. Karpfen können Körperlängen von über 80 cm und Stückmassen über 20 kg erreichen. Ihr maximales Alter dürfte 25 Jahre kaum überschreiten.

Biotopansprüche und Lebensweise
Der Karpfen ist ein wärmeliebender, bodenorientiert lebender Bewohner stehender und langsam fließender Gewässer. Als Allesfresser bevorzugt er weichgründiges Bodensubstrat, das er bei der Nahrungssuche mit seinem Rüsselmaul durchwühlt. Dabei können Karpfen den Gewässerboden besonders tief (bis 15 cm) und effektiv durcharbeiten. Deshalb leisten sie bei hohen Bestandsdichten durch Sedimentaufwirbelungen (Freisetzung im Boden gebundener Nährstoffe) und das Auswühlen von Wasserpflanzen einen wesentlichen Beitrag zur Ichthyoeutrophierung (Fische als Verursacher von erhöhten Nährstoffkonzentrationen). Die natürliche Fortpflanzung des Karpfens erfolgt unter unseren klimatischen Verhältnissen sehr unregelmäßig. Bei Wassertemperaturen über 20 C laichen sie im Mai/Juni an flachen, pflanzenreichen Ufern.

Bestandsentwicklung
Der Karpfen ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschafts- und beliebter Angelfisch. Ursprünglich aus Westasien stammend, wird diese Art in Europa bereits seit mehr als 2 000 Jahren kultiviert. Im Mittelalter gelangte die Karpfenteichwirtschaft vor allem auf den Ländereien der Klöster zu einer ersten Blüte, da Fisch in religiösen Fastenzeiten großen Anklang fand. Die Bewirtschaftung von Teichen mit Karpfen hat sich in Brandenburg bis auf den heutigen Tag erhalten, wobei die Erträge mit den veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen der letzten Jahre erheblich sanken. Neben den Teichen werden von Berufsfischern und Anglern natürliche Gewässer mit Karpfen bewirtschaftet. Heute ist der Karpfen in vielen Brandenburger Gewässern verbreitet. Dieser Umstand ist jedoch das Resultat eines teilweise ausufernden Besatzes. Deshalb kann eine natürliche Bestandsentwicklung nicht eingeschätzt werden. In den meisten Fällen lassen sich aufgrund des regelmäßig getätigten Fischbesatzes erfolgreiche natürliche Reproduktionen kaum nachweisen. Künftig sollte zumindest darauf geachtet werden, dass Karpfenbesatz nur in geeigneten Gewässern durchgeführt wird und auf eine Menge beschränkt bleibt, die allen Arten angemessene Lebensbedingungen garantiert und nicht zu einer ökologischen Belastung des Gewässers beiträgt.

Text aus: "Fische in Brandenburg" - Verbreitung und Beschreibung der märkischen Fischfauna.
Mit freundlicher Genehmigung des Institutes für Binnenfischerei Potsdam.



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