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Fliegenfischen... Fliegen werfen für Anfänger.

...ist eines der schönsten Hobbys das ich mir vorstellen kann
und, noch viel schöner, ich übe es aus, wo und wann immer
ich die Gelegenheit dazu habe.
Passion bzw. Leidenschaft sagt man wohl dazu und die kann das Leben
schon ganz gehörig beeinflussen. Damit jedoch die Fliegenfischerei
zur Passion wird, hat irgend jemand viel Fleiß vor den Preis
gesetzt; Nein, weit gefehlt, ich war es nicht. Man muß sich
halt das erforderliche Wissen aneignen und die Werferei mit der eigenartig
dicken Schnur will auch gelernt sein. Insbesondere das Werfen bereitet
immer wieder Probleme, da es sich hier um recht komplexe Bewegungsabläufe
handelt, die nur mit Übung gemeistert werden können. Mit
ein wenig Übung kann man schon recht viel erreichen, zur Meisterschaft
bedarf es jedoch einiges mehr. Besonders hartgesottene können
sich das alles selbst beibringen, aber es geht auch einfacher. Man
(Frau) besucht einen Kurs.
Sie haben sich nun für einen Kurs entschieden und möchten
mit Hilfe eines Instruktors entweder in die Fliegenfischerei eingeweiht
werden oder als "Fortgeschrittener" die Fähigkeiten verbessern
oder auch nur eingeschlichene Fehler ausmerzen. Was auch immer, der
Erfahrung nach ist die Zuhilfenahme eines Instruktors die derzeit
beste Methode, seine Ziele zu erreichen.
Fliegenwerfen, Wurftheorie für Anfänger und Fortgeschrittene
Das Werfen mit der Fliegenrute ist meines Erachtens leichter, als
gemeinhin angenommen. Der hat gut Reden, denken Sie jetzt vielleicht,
aber nicht vergessen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Drei Dinge sind zum Erfolg Voraussetzung.
1. üben.
2. viel üben
3. noch mehr üben.
Nur durch genügend Praxis und Beharrlichkeit gewöhnt sich
der Körper und die Muskulatur an die zugegeben komplexen Bewegungen
beim Werfen mit der Fliegenrute. Ich mache leider zu oft die Beobachtung,
daß viele, die mit dem Fliegenwerfen beginnen zwei Arten von
Fehlern begehen. Einerseits scheuen sie sich - in Erwartung unqualifizierter
Kommentare - sich auf die grüne Wiese oder sonst wo hinzustellen
und zu werfen. Andererseits wird vielfach zu lange geübt. Das
muß doch verflixt noch mal hinzubekommen sein. Falscher Ehrgeiz
am falschen Platz kann ich da nur sagen. Gerade beim Anfänger
ist die Gefahr von Verkrampfungen in der Muskulatur besonders groß.
Die Folge ist, daß die Rute mehr oder weniger gefühllos
hin- und hergepeitscht wird. Fliegenwerfen ist jedoch Gefühlssache.
Also, trainieren Sie oft, aber nicht zu lange. Zumindest am Anfang.
Ja ich weiß wie schwer das ist, aber glauben Sie mir, ein viertel
Stündchen jeden Tag oder zumindest größere Pausen
zwischen den Übungssequenzen bringen mehr, als andauerndes Werfen
bis zur Erschöpfung. Schließlich solls ja Spaß machen.
Kommen wir nun zu den unergründlichen Geheimnissen, warum bei
einem guten Werfer die Schnur mit dieser ach so beneidenswerten Leichtigkeit
durch die Luft fliegt. Warum die Schnurschlaufe so eng und die Schnur
so ruhig, wie mit dem Lineal gezogen, sich nach vorn und hinten ausstreckt.
Warum die Schnur beim Schießenlassen wie ein geölter Blitz
durch die Ringe zischt. Ganz einfach: Der Werfer hat gelernt, die
physikalischen Gesetze, denen wir alle unterliegen, zu meistern und
sich zunutze zu machen.
Wenn man vielen erfahrenen Werfen so zuhört, verliert man leicht
den Blick für das Wesentliche. Jeder gibt Tips, wie: Du mußt
die Rute so und nur so halten oder der rechte Fuß muß
beim Stand hinten sein. Ein anderer meint, es ist besser, den rechten
Fuß vorne zu haben und so weiter und so fort. Mein Vorschlag:
Bleiben Sie offen für alle Dinge die sie hören, sehen und
lesen. Probieren Sie selbst aus, was für Sie am besten ist, womit
Sie zurechtkommen. Machen Sie nicht den Fehler und konzentrieren sich
nur auf einen Stil, denn Sie werden ohnehin in ihrer Werferkarriere
unterschiedliche Stile durchleben. Purismus hat leider mehr mit Engstirnigkeit
als mit Können zu tun.
Sicherlich hat jeder Wurfstil seine Berechtigung und Vorteile, wobei
mir gerade ein kluger Satz einfällt, den ich von Heinz Weiland
einmal hörte: "Der beste Wurfstil ist der, den man beherrscht".
Alle Wurfstile haben jedoch gewisse Gemeinsamkeiten, unterliegen den
gleichen Gesetzmäßigkeiten, die ich nachfolgend zusammenfassen
möchte:
1. Um eine gute, enge Schnurschlaufe zu erreichen, muß
die Rutenspitze in einem möglichst geraden Weg geführt
werden. Ein konvexer Weg, d.h. eine irgendwie kreisförmige Bewegung,
erzeugt eine weite oder auch gar keine Schlaufe. Die Schnur bekommt
keine Fahrt und viel wichtiger, die Rute kann sich nicht richtig "aufladen".
Umgekehrt führt ein konkaver Weg der Rutenspitze zu einem der
häufigsten Wurffehler überhaupt: Tailing Loops oder schwänzelnde
Schlaufen. Dabei kreuzen sich die Schnurspitze und das Vorfach mit
der Fliegenschnur und verfangen sich im ungünstigsten Falle ineinander.
Die Folgen sind Knoten und Schnursalat. Fazit: Geradlinigkeit der
Bewegung und zwar in allen Ebenen, horizontal und vertikal.
2. Nur eine gestreckte Schnur läßt sich sauber
zum Rückwurf aufnehmen bzw. ist Voraussetzung für einen
guten Vorwärtswurf. Gerade Anfänger machen oft den Fehler,
die Rute vor dem Aufnehmen der Schnur zum Rückwurf zu hoch anzuheben
(in der Ziffernblattsprache so bei Zehn oder Halbelf) und dann erst
zum Rückwurf anzusetzen. Die Rute wird dann zu weit nach hinten
geführt, wodurch die Bewegung der Rutenspitze in der Endphase
nach unten gerichtet ist. Was passiert ist klar, auch die Schnur fliegt
nach hinten unten, da die Schnur immer der Rutenspitze folgt. Ehe
man zum Vorschwung ansetzen kann, berührt das Vorfach den Boden
bzw. küßt das Wasser. Eine nicht gestreckte Schnur zeugt
von...
3. ...falschem Timing. Zu Deutsch, warten bis die Schnur sich
nach vorne oder hinten gestreckt hat. Gibt man der Schnur dazu keine
Gelegenheit, bricht der Wurf zusammen, schlimmstenfalls knallts und
die Fliege ist weg. Durch falsches Timing kann sich die Rute nicht
richtig aufladen. Der Großteil der Wurfenergie verpufft leider
in viel zu heftigen, hektischen Bewegungen. Also, geben Sie der Schnur
Zeit und Kontrollieren Sie ab und an durch Kopfdrehen nach hinten,
ob die Schnur hinten sich richtig streckt.
4. Als nächstes ist der Wurfrhythmus zu erwähnen.
Dieser muß um so schneller sein, je kürzer die Schnur ist.
Bei längerer Schnur muß man wie im vorigen Punkt zu lesen
war, natürlich länger warten, bis die Schnur sich gestreckt
hat. Ergo, ist die Zeitspanne zwischen Vor- und Rückschwung länger.
Dem entgegengesetzt ist die Geschwindigkeit, mit der die Rute vor-
und zurückbewegt wird. Hier gilt, je länger die Schnur,
desto stärker muß der Druck auf die Rute beim Vor- und
Rückschwung sein. Dieser Umstand führt leicht zu Verwechslungen.
5. Die Bewegung beim Vor-, wie auch beim Rückschwung hat
eine besondere Charakteristik. Viele machen den Fehler des gleichmäßigen
Hin- und Herwedelns. Vielmehr geht es um stetige Beschleunigung.
Das bedeutet, Sie müssen erst durch langsamen stetigen Zug die
Schnur beschleunigen und die Rute spannen. Erst im letzten Drittel
der Bewegung- eher noch später- sollte die Rutenspitze die Höchstgeschwindigkeit
erreicht haben. Leider muß man sagen, können wir zwar recht
genau Geschwindigkeiten abschätzen, haben jedoch eher ein vermindertes
Gefühl für Beschleunigung. Ganz schlimm ist es, wenn der
Krafteinsatz beim Werfen vertauscht wird. Bei einigen Werfern ist
zu beobachten, daß diese vom Ausgangspunkt ab mit hoher Geschwindigkeit
die Rute nach vorne oder hinten schlagen und langsam auslaufen lassen.
Die Folge dieses Fehlers sind eine unruhige Schnur mit ausgeprägten
Wellen und fast immer "Tailing Loops", verursacht durch eine erst
abwärtsgerichtete und dann leicht nach oben auslaufende Bewegung
der Rutenspitze.
6. Mit das wichtigste überhaupt ist der Stop, sprich
das abrupte Ende des Vor- oder Rückschwunges. Die hohe Beschleunigung
am Ende der Wurfbewegung, in Verbindung mit einem "deadly Stop", wie
die Amerikaner sagen, ist für das Erreichen einer Schlaufe entscheidend.
Vergleichen Sie diesen Stop mit einem Auto, das mit ca. 130 km/h gegen
eine Wand prallt. Bei vielen Werfern kommt der Stop eher nur einer
Vollbremsung gleich.
Lassen Sie mich zwei Beispiele anführen, die die Punkte fünf
und sechs verdeutlichen: Sicherlich haben auch Sie als Kind Äpfel
auf einen Stock gespießt und so weit wie möglich weggeschleudert.
Die Bewegung müsste dann in etwa so ausgesehen haben: Langsam
beginnend immer schneller werdend haben Sie den Stock nach vorne geschwungen,
um dann, in einem abrupten Stop, den Apfel vom Stock zu schlenzen.
Wenn Sie zu schnell am Anfang der Bewegung waren, so war die Entfernung
minus 1 Meter. Klar: weil der Apfel vom Stock gerutscht, hinter Ihnen
im Gras lag.
Anderes Beispiel: Sie betätigen sich als abstrakter Künstler.
Nehmen Sie einen mit Farbe satt getränkten Pinsel und versuchen
Sie, mit eben jener, sich beschleunigenden Bewegung, die Farbe aus
drei Metern Entfernung auf die Leinwand zu befördern. Wenn Sie
dabei einen Streifen über das ganze Bild produzieren, müssen
Sie noch etwas an dem "Stop" üben. Wenn aber die Farbspritzer
die Fläche in Fußballgröße belegen, dann befinden
sie sich mit Picasso in einer Riege. Nur mit dem besagten "Stop" am
Ende der Bewegung ist dies zu erreichen.
7. Kraft. Nichts ist schädlicher für den Fliegenwurf,
als zuviel Kraft. Sie geben so viel Geld für teure Ruten aus
und machen die Arbeit doch selbst. Lassen Sie gefälligst die
Rute für sich arbeiten. Laden Sie die Rute auf, wie es in der
Fachsprache heißt. Je stärker sich die Rute beim Werfen
biegt, desto weniger Arbeit haben Sie.
Wenn Sie die diese Punkte in Ihren Bewegungsablauf einbauen können,
erreichen Sie ein optimales Aufladen der Rute, die im Moment des Stoppens
ihre Energie an die Schnur abgibt. Dann haben Sie das Ziel - ein guter
Werfer zu werden - erreicht. Dann verfügen Sie über einen
eleganten, kraftsparenden Wurfstil, der ermüdungfreies Fischen
über viele Stunden hinweg ermöglicht und als Ausgangsbasis
für alle erdenklichen Wurfvarianten und die verschiedenen Trickwürfe
dient.
Fassen wir die sieben Punkte nochmals zusammen:
möglichst gerader Weg der Rutenspitze
gestreckte Schnur
richtiges Timing
angepaßter Wurfrhythmus
stetige Beschleunigung
"deadly" Stop
wenig Kraft
So, das sind die eingangs erwähnten Punkte, die es zu meistern
gilt und die, unabhängig vom Wurfstil, für jede Art zu Werfen,
allgemein gültig sind.
Diese doch sehr theoretischen Ausführungen sollen nach dem besuchten
Kurs das erlernte in Erinnerung rufen und sie zu ständigem Üben
ermutigen. Ich selbst probiere alles, was ich neues in puncto Werfen
sehe oder lese, aus. Nur wenn man ständig bereit ist, etwas hinzuzulernen,
entwickelt man sich weiter und bringt es zu der Perfektion, die höchsten
Genuß und Erholung beim Fliegenfischen in unserer herrlichen
Natur verspricht.
Wenn Sie sich durch den Kurs und die Lektüre gekämpft haben,
sind sie auf einem guten Weg ein Fliegenfischer/Fliegenfischerin zu
werden.
Leider ist die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe der Anglerzunft
u.U. mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden. Jeder vermutet in
ihnen nun einen versnobten, elitär denkenden, von der Masse sich
abheben wollenden Zeitgenossen. Wie sie jedoch selbst erfahren haben,
hat Fliegenfischen mit alledem nichts zu tun. Es ist schlicht eine
Methode unter vielen Fische zu fangen. Alle Angelarten haben auf ihre
eigene Weise ihre Berechtigung und ich meine: Fische, die ich mit
der Fliege nicht fangen kann, haben halt eben Schonzeit.
Neben der Schönheit und Ästhetik des Fliegenfischens, ist
für mich mittlerweile jedoch der Umstand, daß Fische erheblich
geringere Verletzungen erleiden, entscheidendes Argument für
diese Ausschließlichkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen haben
gezeigt, daß mit der Fliege gefangene Fische eine wesentlich
geringere Sterblichkeitsrate aufweisen, als mit anderen Methoden gefangene
Fische. Schon das alleine ist für mich Grund genug, für
eine möglichst weite Verbreitung der Fliegenfischerei zu sorgen,
damit viele Menschen diese Angelart kennenlernen und erlernen. Denn,
je mehr Leute die Fliegenfischerei beherrschen, desto eher ist die
Bereitschaft da, Gewässer nur für die Fliegenfischerei freizugeben,
wie das in anderen Ländern schon der Fall ist. Ich erlebe leider
immer wieder, daß Salmoniden in Gewässer eingesetzt werden
und sofort am "Schwarzen Brett" auf die Besatzmaßnahme hingewiesen
wird. Put&Take in seiner schlimmsten Form.
Ein weiteres Vorurteil: Fliegenfischen geht nur auf Salmoniden und
an entsprechenden Gewässern. Schauen sie mal nach Holland. Dort
gibt es nur ein einziges Gewässer, welches nach herrschender
Meinung für die Fliegenfischerei geeignet ist. Und doch ist dort
die Fliegenfischerei viel weiter verbreitet als bei uns in Deutschland.
Sämtliche Fischarten werden dort mit Fliegen beangelt und das
mit großem Erfolg. Insbesondere Hecht und Zander, aber auch
Brassen, Rotaugen, Rotfedern u.v.m. gehören dazu. An die Meerforellenfischerei
in der Ostsee oder "Saltwater Fly Fishing" in anderen Meeren darf
ich gar nicht erst denken.
So, nun möchte ich Sie nicht weiter beeinflussen, sondern es
Ihnen überlassen, was Sie mit dem Erlernten anfangen. Sollten
Sie jedoch die gleiche Begeisterung entwickeln wie ich, dann wäre
das eine große Freude für mich und alle Fliegenfischer.
Tight lines and dry socks wünscht Ihnen
Sven Ostermann
(EFFA Certified Flycasting Instructor)
P.S.: Brauchen Sie Hilfe oder wollen Sie einen Wurfkurs buchen? Ich
stehe Ihnen gern zur Verfügung.
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