Vol. 2 / 2004
Müssen“s immer Trutten sein?
Aufgeschrieben von Nico Hesselmann

Berlin im Sommer 2004. Ach, mal wieder die Rute schwingen, das wär schön. Aber die Zeit ist knapp, der nächste Forellenbach weit. Und richtig toll ist die Fischerei auf Bachforellen in der Sommerzeit in Brandenburg auch nicht. Was nun? Ah, da sind ja noch Döbel und Co. Also rein ins Auto und los. Nach 30km ist man an der Havel, wo die "Dickköpfe" warten. Denen macht auch der Sonnenschein nichts, im Gegenteil. Nach ein paar Würfen zum anderen Ufer kann ich den ersten Döbel dingfest machen. 35cm, und der Drill ist auch nicht schlechter als bei einer Trutte. Die Polbrille macht große Schatten aus, wie sie durch das von der Sonne erhellte Wasser paddeln. Bestimmt 50+!! Doch der Schatten beäugt gemütlich den treibenden Hopper um ebenso gemütlich abzudrehen. Aber immerhin hat er mir einen Adrenalinstoss geschenkt. Es gehen noch ein paar kleinere Artgenossen an den Haken. Kurzweilige Fischerei, dieses Döbelangeln. Und gar nicht so anspruchslos... im Gegenteil. Die Jungs sind oft ziemlich vorsichtig und schwieriger zu beangeln als die Forellen, wie ich finde. Und ich muss nicht hunderte von Kilometern abreißen, um meiner Passion zu frönen.

Klar, der nicht fliegenfischende Laie hat immer noch die Forellen im Kopf, wenn er uns rutenschwingend am Gewässer umherschreiten sieht. "Gibt“s denn hier Forellen??" ist immer wieder die Frage. Aber unter uns: Wir wissen es doch besser. Fast alle Fischarten kann man mit der Fliege überlisten: Rapfen, Döbel Rotfedern, um nur einige zu nennen. Die Raubfische wie Hecht und Barsch nicht zu vergessen.

Natürlich gibt es einige verblendete Snobs, für die alle Nichtsalmoniden "Fischunkraut" sind. Vielleicht haben sie aber auch nur Angst, sich zu blamieren, wenn sie mal nicht an einem überbesetzten Gebirgsbach stehen, an dem Forelle und Äsche auf alles stürzen, was sich bewegt, könnten sie doch als Schneider nach Hause fahren.Und Hand auf“s Herz: Wer nimmt alle Forellen mit, die er (oder sie) an den Haken bekommt? Längst wäre die Truhe voll und die Lieben daheim hätten einen Eiweiss-Schock. Wer sich mal am See oder Niederungsbach versucht, läuft natürlich Gefahr, nicht nur unter Kollegen zu fischen, die auch 50 EUR für eine Tageskarte gezahlt haben und sich mit stolzgeschwellter Brust ihre Bambusruten unter die Nase halten. Man kann auch schon mal über einen "Stipper" stolpern, mit dem man sich auch noch angeregt unterhalten kann. Damit wäre die Illusion vom überlegenen Fliegenfischen dahin. Sollte es auch andere nette Angler geben? Es gibt sie. Und ebenso eine anspruchsvolle und vielseitige Angelei auf die verschiedensten Fischarten. Das auch noch fast 365 Tage im Jahr.

Da juckt es mir ja schon wieder in den Fingern.... ich muss los... fischen, vielleicht geht ja schon was mit den Hechten! Aus irgendeiner Mitte entspringt immer ein Flüsschen, und irgendwas schwimmt auch immer darin herum.

Nico Hesselmann

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