Vol. 1 / 2005 - Muß man eigentlich werfen können? Aufgeschrieben von Nico Hesselmann
Nö, muss man nicht. Aber man sollte. Natürlich sind in unserer Gegend
selten Strecken weiter als 15 m zu überbrücken. Aber da gibt es ja noch
die Fische. Oft stehen sie unter einem Ast oder direkt neben einem
Busch als wüssten sie, dass wenige Meter von ihnen ein nervöser
Fliegenfischer wartet.
Feuchte Stirn, zittrige Hände.... wie um alles in der Welt soll ich
diesen Fisch anwerfen? Aber da gibt es ja allerhand Tricks: "Reachcast,
Bowcast, Sidecast". Was? Nie gehört? Es sind mehr oder weniger
komplizierte Begriffe für die so genannten Trickwürfe. Nur versierte
Werfer kennen alle. Und doch, sie helfen, in bestimmten Situationen,
den Tag zum Erfolg werden zu lassen.
Und manchmal machen wir Fachlandtiroler uns ja doch auf an die großen
Gewässer. Im beginnenden Frühjahr, wenn die heimischen Flüsse noch wie
leblos wirken und die Fische sich zum Turteln treffen, erreichen uns
Fangmeldungen von der Küste: Das Silber der Ostsee ruft,
Meerforellenzeit! Und so machen sie sich auf, die heiteren
Fahrgemeinschaften und die einsamen Süchtigen, die Wind und Wetter
trotzen, um einen der begehrten Fische auf die Flossen zu legen. Doch
das Meer ist groß, verdammt groß. Man kommt sich mit seiner 9-Fuß-Rute ziemlich ärmlich vor angesichts der Weite.
Vor allen Dingen, wenn der Wind ordentlich bläst - von der falschen
Seite natürlich. Was gab es da doch gleich, ach ja: den Backhand-, oder
Rückhandwurf. Der wäre jetzt gut. Aber wie ging der denn gleich...? Gar
nicht sooo schwer, aber um das Üben kommt man nicht rum. Am besten geht
das, wenn man eh nicht angeln kann.
Und die Trockenwerferei hat ja auch ihre geselligen Seiten. Im Winter
trifft man sich mit heißem Tee zum gemeinsamen Peitschen auf einer
Wiese in der Nähe. So verbringt man die angelfreie Zeit mit einem
"Schnack" über die großen Werfer unserer Tage und schickt sich an, auf
ihren Spuren zu wandeln.
Es bietet auch allerhand Möglichkeiten, mit der "Außenwelt" Kontakt
aufzunehmen. Schließlich kommen fast immer Fragen wie "Schon was
gefangen?" oder "Was machen Sie denn da?". Da bietet sich schnell die
Chance, neue Kollegen zu akquirieren. Aber das Beste ist, wenn man zu
Beginn der Saison die erlernten Techniken in der Praxis testen kann und
sie sogar noch den Erfolg bringen. Also, nichts wie raus auf die Wiese
und üben!
Nico Hesselmann
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