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Fario - Kolumne
An dieser Stelle werdet Ihr in unregelmäßigen Abständen eine Kolumne über unser liebstes Hobby lesen können.
Verschiedene Autoren beleuchten nachdenklich, lustig, ernsthaft, ironisch oder kritisch die schönste Sache der
Welt, das Fliegenfischen.
Vol. 1 / 2004
Vol. 2 / 2004
Vol. 1 / 2005
Vol. 1 / 2006 - Ein Tag wie kein anderer. Aufgeschrieben von Fabian Völker
In meinem bis jetzt recht kurzen Leben auf dieser Welt und dem noch kürzeren Leben als Fliegenfischer gab es vor einigen Tagen ein Zusammentreffen mit einem Menschen, der mich über alle Maßen beeindruckte.
Zu Beginn eines jeden Fliegenfischerdaseins werden unzählige Bücher, Zeitschriften und Videos zu dem Thema des richtigen Wurfstiles durchgearbeitet - am Anfang noch mit großer Aufmerksamkeit, die jedoch spätestens nach dem dritten Buch schnell verflogen ist. Theoretisch erworbene Erkenntnisse können mangels praktischer Anleitung oft nicht umgesetzt werden.
Die Vielzahl der literarischen Beiträge zum Thema Fliegenwerfen ist für einen Anfänger geradezu erdrückend und verwirrend, was durch die unterschiedliche Bezeichnung eigentlich gleicher Würfe noch verstärkt wird. Zudem entsteht stellenweise der Eindruck, das die einzelnen Autoren nur ihren Beitrag als den einzig Wahren ansehen....! Kein anderer Wurfstil dieser Welt kann dem eigenen das Wasser reichen. Teilweise werden andere Autoren ins Lächerliche gezogen oder auf eine unseriöse Art und Weise des "Nichtkönnens" des Fliegenwerfens bezichtigt.
Einige Autoren und deren Beiträge stechen jedoch aus der Vielzahl heraus. Da wären meiner Ansicht nach vor allem Hans Gebetsroither, Mel Krieger, Lee und Joan Wulff zu nennen. Sie erlangten ihren Bekanntheitsgrad nicht durch Außergewöhnlichkeit und Extravaganz ihres Wurfstiles, sondern eher durch das Gegenteil, durch die Konzentration auf wenige, alltagstaugliche Würfe. Die Wurfstile zeichnen sich durch ihre Einfachheit und Leichtigkeit aus. Ein weiterer Grund für ihr Ansehen ist die Art und Weise, wie sie ihr Wissen an andere Menschen weitergeben.
Im Juli 2006 Zeit hatte ich die Gelegenheit, einen von diesen Persönlichkeiten zu begegnen. Ich nahm an einem Wurfkurs teil, der von Mel Krieger geleitet wurde. Durch seine Bücher und Lehrvideos konnte ich schon einiges über seine Philosophie des Fliegenwerfens und seine Persönlichkeit in Erfahrung bekommen. Das Zusammenspiel seiner Gestik, Mimik und Wortwahl ist, wie bei kaum einem Anderen, einzigartig und sehr prägend. Dabei entstand bei mir die Anschauung, dass sein Ruf mehr als gerechtfertigt ist.
Der Wurfkurs bei ihm bestärkte dies noch mehr. Mel Krieger ist 77 Jahre alt und er hat die Gabe, alle Kursteilnehmer mitzureißen und sie mit wenigen Hinweisen das Fliegenwerfen zu lehren. Ihn umgibt eine Ausstrahlung, die ich bei einem Menschen seines Alters nicht erwartet hätte und bis zu diesem Tag nicht kennen gelernt habe. Seine Art des Lehrens ist einmalig - ständig mit einem Lächeln im Gesicht und einer Anekdote auf den Lippen. Jederzeit stellte Mel seine Art des Fliegenwerfen als eine Möglichkeit unter vielen da. Er predigte nicht seinen Stil des Werfen als den einzig wahren, sondern beschränkte sich auf die Ausführung einiger weniger Grundwürfe. Da wären Rollwurf, Bogenwurf, Schlangenwurf und der Überkopfwurf zu nennen. Bei seinen Vorführungen konzentrierte er sich auf die richtige Nutzung der beim Werfen auftretenden physikalischen Kräfte. Dies betonte er ständig, da es Anfängern das Fliegenwerfen ungemein erleichtert. Sein bekannter Ausspruch "Loading the rod" und das "Wummpt" waren an diesem Nachmittag des öfteren zu hören. Durch seinen, für mich ungewöhnlichen, Akzent liegen mir diese Sätze noch heute in den Ohren.
Den Anleitungen Mels Folge zu leisten war jedem Kursteilnehmer natürlich selbst überlassen. Ich selbst verneige mich vor der Persönlichkeit und dem Lehrer Mel Krieger und "ziehe vor ihm meinen Hut". Ich würde mich freuen, in dem gleichen Alter noch solch eine intensive Ausdruckskraft und Wirkung auf andere Menschen zu haben.
Danke Mel Krieger, eines der wenigen noch lebenden "Urgesteine" des Fliegenwerfens.
Fabian Völker
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