Mein Saisonstart 2003 an der Wiesent in Waischenfeld.

Oh Mann, bin ich aufgeregt........ Heute ist erst der 17.3. und ich denke an nichts anderes mehr als an den nächsten Dienstag, denn da werde ich in die fränkische Schweiz fahren und an der Wiesent die Forellensaison `03 einläuten. Letztes Jahr zu dieser Zeit hatte ich es an der Küste auf Meerforelle versucht, leider Erfolglos und 2001 herrschte Hochwasser. Dieses Jahr soll es also mal wieder klappen und meine Fliegenausrüstung Arbeit bekommen. Die Wiesent ist einfach zu befischen. Es gibt fast überall genug Rückraum, Trickwürfe sind selten erforderlich. Breite beträgt bis zu 16 m, man kann also problemlos den gegenüberliegenden Uferbereich befischen. Waten ist nicht erlaubt, aber auch nicht nötig, hohe Stiefel sind aber trotzdem zu empfehlen da die Ufer und Wiesen stellenweise recht schlammig sind.

Ausrüstungsempfehlung: Gerät der Klasse 5 oder 6, Schwimmschnüre, schwimmende und schnellsinkende Vorfächer, da die Nymphen teilweise tief runter müssen. Aber auch ein paar Trockenfliegen sollten nicht fehlen, denn wenn die Sonne durchkommt, sieht man trotz der frühen Jahreszeit schon mal den einen oder anderen Ring auf dem Wasser. Eine Kollektion meiner Lieblingsnymphen/-streamer habe ich schon gebunden.





Aber auch die Erfolgsmodelle der letzten Jahre werden mich begleiten, wie z.B. die olivfarbene Damselfly und andere selbstkreierte Nymphen. Oh Gott, die Zeit vergeht nicht.
Heute ist es soweit, die Arbeit ist gemacht, nur noch 2 Stunden am Schreibtisch totschlagen und dann los. Die Sonne strahlt vom Himmel und die letzten Tage waren schon sehr frühlingshaft; das wird ein guter Saisonauftakt.

Geschafft, ich bin da. Nach 4 Stunden Fahrt und einem Frontfoto im Baustellenbereich (zwei riesig breite Fahrstreifen, Gefälle, und nur vereinzelt eine Bake am Rand, aber Beschränkung auf 80 km/h, bin ich mit 100 vor mich hin gebummelt....) komme ich noch bei Tageslicht im Fliegenfischermekka an.

Angelkarten besorge ich mir in der Kunstmühle Gutenbiegen, 20 /Tag, Entnahme einer Forelle, Brittelmass 30-35 cm (Bachforelle), die Äsche ist noch bis 30.4. geschont. 1. Rundgang am Gewässer, im Stadtbereich, klares Wasser, au ja, das wird jjuuuuuut (wie der Berliner sagt).





So, heute ist es soweit. Im CD-Spieler erklingt Andrea Bocelli und ich baue das Gerät zusammen. Ein kaum beschreibbares Glücksgefühl durchströmt mich, alles ist perfekt, keine Gedanken mehr an Arbeit, Probleme oder Negatives. Nur noch eins mit der Natur, mir selbst und der Musik, ich könnte schreien vor Glück, beste Voraussetzungen für einen guten Tag. Ich fische von Nankendorf abwärts Richtung Waischenfeld. Es ist relativ warm aber es regnet. Ich nehme die #5 Rute, mit DT 5 F zum Trockenfliegenfischen, mit ca. 2,5 m Vorfach, davon 1,5 m Airflo-Polyleader und knapp 1m 13er Fluorocarbon-Spitze. Die andere Kombination besteht aus einer #6 Rute, WF 6 F, 1,5m Superfast-Sinking Polyleader und noch ca. 1,5m Vorfach von 0,20mm mit 17er Fluorocarbon-Spitze.

Zunächst benutze ich die Woolly Bugger, aber ohne Erfolg. Außer einiger spitzer Fehlbisse tut sich nichts. Erst mit einer Partridge and Orange lässt sich eine 30er überlisten. Stellenweise steigen einige Fische und ich versuche eine CDC Trockenfliege. Sie wird zwar öfter genommen, aber es bleibt kein Fisch hängen (Hab ich's verlernt oder was?).





Nun passiert einige Stunden nichts mehr, meine Lieblingsnymphen versagen bitterlich und bescheren mir lediglich noch eine 34er. Weitere Bisse erfolgen erst wieder als ich das damalige Erfolgsmodell (Grünoliv mit Glitzerkörper) anbinde, aber ich habe auch nur wieder "Anfasser", irgendetwas ist heute faul. Auf meine anfängliche Glückseligkeit folgt Ernüchterung, die Würfe gehen nicht mehr so reibungslos von der Hand und bis zum Abend habe ich keinen Fischkontakt mehr. Nun ja, Morgen ist auch noch ein Tag.

Der 2. Tag beginnt wie im Bilderbuch, strahlender Sonnenschein und Wärme lassen einen exzellenten Tag vermuten. Heute macht mir "Petri" klar wie dicht Glückseeligkeit und Elend beieinander liegen. Zunächst fängt es ganz gut an, ca. 10 Würfe mit der "Oliven", zack die 1. Bachforelle; jetzt weis ich wie es geht, tief absinken lassen und ganz langsam zupfen.







Tja, denkste! Den ganzen Tag über fange ich nur noch eine winzige Äsche. Ich versuche es flach, tief, schnell, langsam, mit Streamer, schweren Nymphen, leichten, schwarzen, grünen, braunen, grauen, roten, großen, kleinen; aber das einzige was ich immer wieder zu sehen kriege ist diese witzige Bisamratte, ich glaube die lacht mich aus. Es ist frustrierend und ich bin ärgerlich. Richtig wütend werde ich als mir auch noch einige Fliegen abreißen; ich knalle meine Rute auf die Erde (mit ein Grund warum ich nie eine "Sage" fischen werde) und brauche eine kurze Auszeit. Dieser Tag zeigte deutlich wie kurz der Weg von "Himmel hoch jauchzend" bis "zu Tode betrübt" sein kann. Alles wäre nicht so schlimm wenn ich wüsste woran es liegt; zu kalt kann es nicht sein, wir haben schon bei 0 gefischt und bis zu 20 Fische am Tag gefangen, zu warm, war es gestern aber nicht, also was dann? Morgen kommt die Sinkschnur auf die Rolle, Bleivorfach und dann immer am Grund lang. Aber ob es das bringt? Grundkontakte hatte ich heute auch genug, war also tief unten; sind hier keine Fische mehr; KORMORAN? Morgen ist ein neuer Tag, irgendwann müssen die ja mal fressen.

Müssen sie nicht !!! Der 3. Tag beginnt so wie der 2. aufgehört hat, es beißt nicht! Mein Enthusiasmus hielt sich beim Aufbau auch in Grenzen, Andrea Bocelli machte die Aufrüstarie jedoch zum Vergnügen. Das Wetter ist zum Könige zeugen, aber die Fische spielen nicht mit. Stundenlang ziehe ich Nymphen und ähnliches Getier über den Grund, habe aber nicht mal Fischkontakt. Festzustellen bleibt, eine Sinkschnur mit einen "Super Fast Sinking" Vorfach wirft sich echt besch....., außerdem kringelt diese blöde Schnur (Ausschuss, bzw. wird zum Meeresangeln weiterbenutzt).







Bis zum Abend zupft es 3 Mal am Gerät; einen "Tester" kann ich sehen, eine Bachforelle von ca. 10 cm greift immer wieder in selbstmörderischer Absicht meine Nymphe an. Ein Fliegenfischerkollege nähert sich und gibt sich als "der Einheimische" zu erkennen. Allerdings prangt auf seinem aufgebauten "Hardy-Burgund-Blank" der Name "G. Müller". Auch er hat bisher nur 2 Fischkontakte gehabt, sie aber wenigstens gelandet. Eine Bachforelle und eine Äsche machten kurzfristige Bekanntschaft mit seinem Streamer. Er ist ebenfalls ratlos. So finden wir Zeit zu einem kleinen Gedankenaustausch, muss auch mal sein. Zunächst versuche ich beim Reden weiter zu fischen, lande jedoch 2 mal hintereinander im Busch, wie peinlich, ausgerechnet wenn jemand zuschaut.

Obwohl es bestimmt 25 warm ist, zeigt sich kein Ring, kein Fisch steigt oder verrät sonst irgendwie seine Anwesenheit. Mit beginnender Dunkelheit habe ich dann endlich mal einen echten Fischkontakt, eine Forelle schlägt 3-4 Salti und verabschiedet sich dann. Na toll, jetzt wo es Dunkel wird! Kurz darauf eine weiterer Anfasser und etwas später doch tatsächlich noch eine Bachforelle von 32cm, die nach kurzem Fotoshooting weiterwachsen darf.







Es zeigen sich regelmäßig steigende Fische und ich stelle um auf Trockenfliege; herrlich mal wieder eine Trockene zu fischen. Leider ist es mittlerweile stockdunkel und ich muss aufhören, schade! Morgen letzter Tag, noch mal alles geben und Großangriff starten; Fische scheinen ja da zu sein, am Abend hatte ich ja noch einige Kontakte.

Ich bin um 9 am Wasser und mache dort weiter wo ich gestern Abend aufgehört habe. Ich habe auch gleich wieder einen "Anfasser" aber das war es auch schon. Nach 2 weiteren erfolglosen Stunden fahre ich nach Nankendorf und versuche es am Auslauf der Rieselstrecke. Zunächst mit einer P&O in Nassfliegenmanier etwas abgesucht, und es klappt! Eine Äsche von 35 cm kann nicht widerstehen. Kurz hintereinander kann ich noch 3 weitere Äschen überlisten,die ich möglichst schonend vom Haken befreie und dann in die Freiheit entlasse.

Dann ist die Stelle offensichtlich abgefischt, die Fische fallen auf nichts mehr herein und ich ziehe weiter. Das Wetter ist immer noch wunderbar und ich kann an einer Flachstelle die Äschen beim Laichen beobachten. Sie jagen sich hin und her, Fluss auf, Fluss ab und querüber. Sie freuen sich des Lebens und tollen herum wie Kinder. Insgesamt tummeln sich dort bestimmt 15 Äschen, einige davon in Größen die ich noch nie gesehen, geschweige denn gefangen habe.





Fazit: Es sind viele Fische im Gewässer, daran kann es nicht liegen. Also muss ich wohl meine Taktik und mein Gerät verfeinern, die Fische stehen hier nicht auf Hauruckangler wie mich. Unter solchen Bedingungen sind die Filigrantechniker gefragt. Ich ziehe weiter und kann gegen Abend noch eine kleine Bachforelle verhaften, die ich jedoch nach "Identitätsfeststellung" wieder entlassen muss. Insgesamt gesehen waren es 4 wunderschöne Angeltage.

Solltet Ihr noch weitere Fragen, Anregungen oder Bemerkungen haben: E-Mail.

Petri Heil: Michael Heinze.

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