Winter ade

Gehörst Du auch zu den Fliegenfischern, die gern einmal etwas "Neues ausprobieren" möchten? Zu denen, die unbedingt auch im zeitigen Frühjahr die Fliegenschnur auswerfen wollen? Wohnst Du vielleicht noch irgendwo zwischen Pritzwalk und Finsterwalde auf dem flachen Land? Dann geht es Dir ja wie mir. Weit weg von den in dieser Zeit lockenden Zielen und viel zu wenig Zeit, um an der Ostsee den Meerforellen nachzustellen. Aber viele Gewässer, an denen Du schon im März und April erfolgreich die Fliegenrute schwingen kannst, liegen nicht weit vor Deiner Haustür.



Vielleicht versuchst Du in diesem Frühjahr einmal, Alande gezielt mit der Fliege zu überlisten. Ich meine nicht als Zufallsfang beim Fischen auf andere Weißfische, nein ganz gezielt, ähnlich der Pirsch auf Hecht und Forelle. Natürlich erreicht die Jeese oder Orfe, wie der Aland in Norddeutschland auch genannt wird, nicht das Gewicht eines Hechtes und die Fluchten sind lange nicht so spektakulär wie die eines Rapfens, doch wirst Du mit einem Fisch von 2 oder 3 Pfund ganz schön zu kämpfen haben.



Als oberflächenorientierter Schwarmfisch, der in Flüssen, Flussseen, Haffen und der Ostsee, östlich des Rheins und nördlich der Donau, bis weit nach Schweden und Finnland hinein verbreitet ist, ist der Aland von uns nur selten gezielt mit der Fliege anzusprechen. Die Größe dieser Gewässer stellt oft ein Handicap dar. So richtig interessant wird der Aland für uns Fliegenfischer erst, wenn er in den Monaten März bis April in großen Schwärmen in kleinere naturnahe Flüsse zum Laichen aufsteigt. Die Schwärme können aus einigen Dutzend, aber auch aus einigen hundert Fischen beiderlei Geschlechts bestehen, wobei die Milchner einen ausgeprägten Laichausschlag aufweisen. Bei ihren flussaufwärts gerichteten Wanderungen vermögen es die Fische, auch kleinere Wehre und schnelle Rauschen zu überwinden, um an ihre Laichplätze zu gelangen. Unmittelbar nachdem die Eier an Steinen und Ästen abgelegt wurden, verlassen die meisten Fische den Laichfluss, um in ihre angestammten Reviere zu ziehen. Der Aland vermag auch noch in belasteten, verbauten Gewässern sein Auskommen zu finden. Ein 50 cm langer Fisch ist 8 bis 9 Jahre alt und bringt ca. 2 kg auf die Waage. Fische mit 65 cm und 3,5 kg werden immer wieder einmal gefangen.



Bei uns in Brandenburg kommt der Aland in den Flusssystemen der Elbe, Oder, Havel, Spree und Dahme sehr zahlreich vor. So sollte es Dir nicht schwer fallen, ein geeignetes Gewässer zu finden, das ein gezieltes Fischen mit der Fliege zulässt. Versierte Grund- und Spinnangler kennen oftmals diese Gewässer, von ihnen kann man so manchen Geheimtipp "abstauben".

Nach meinen Erfahrungen ist es wichtig, die Fische genau abzupassen, da der Laichaufstieg stark von den Wassertemperaturen und vom Wetter abhängig ist. Beständige frühlingshafte Temperaturen verbessern Deine Chancen ungemein. Die Wassertemperatur ist im Frühjahr ein sehr wichtiger Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann. Mit dem Ansteigen der Wassertemperaturen werden die Nährtiere aktiver und die Fische nehmen wieder vermehrt Nahrung auf. Genauso wichtig für die Frühjahrsfischerei ist auch der Wasserstand. Bei hohem trüben Wasser ist ein Fluss mit der Fliegenrute nur schwer zu befischen und bei niedrigem klaren Wasser sind die Fische sehr heikel und misstrauisch. Gute Chancen bietet ein mittlerer Wasserstand. Ist das Wasser nicht allzu tief und stark eingetrübt, lassen sich die Fische leicht lokalisieren, vorausgesetzt Du benutzt eine Polarisationsbrille. Typische Stellen sind ruhigere Partien unterhalb von Wehren und Rauschen, aber auch Außenkurven und tiefe Rinnen. In kleineren Gewässern sieht man sie gelassen in der Strömung stehen, leicht zu erkennen an ihren roten Flossen. Nehmen sie uns wahr, tauchen sie - ähnlich wie ein Döbel - langsam und gemächlich ab. Darum solltest Du Dich möglichst unauffällig gekleidet und jede Deckung nutzend den vermuteten Standorten der Fische nähern. Nie zeigen sie diesen panischen Fluchtreflex, der für Forellen so typisch ist.

In größeren Fließgewässern oder nicht einsehbaren Abschnitten müssen die vermuteten Standorte blind abgefischt werden. Führe Deinen Köder tief und langsam; in tiefen Gumpen und ruhigen Außenkurven werden erste Erfolge nicht lange auf sich warten lassen. Vielleicht versucht sich auch eine Plötze, ein Blei oder ein Barsch an Deiner Fliege. Die Frühjahrsfischerei bietet so manche Überraschung. Benutze ruhig etwas kräftigere Ruten, so um die 9 bis 10 Fuß, in den Klassen 5 bis 7, dazu eine Rolle, bespult mit einer schwimmenden Keulenschnur und 50 m Backing. So ausgerüstet solltest Du den kräftigen Frühlingswinden genauso trotzen können wie schwierigen Strömungsverhältnissen, den Alanden garantiert, denn mehr als seine Masse weiß er im Drill nicht einzusetzen. Wähle Dein Vorfach ruhig etwas stärker, 0,18 bis 0,22 mm werden auch in einem hindernisreichen Gewässer ausreichen. Die Länge des Vorfaches richtet sich nach der Strömungsgeschwindigkeit und dem Wasserstand. Hier sind wir am wichtigsten Punkt angelangt: Deine Fliege muss runter, ganz runter! Sie sollte dicht über dem Grund treiben, passiv oder aktiv durch leichte Bewegungen mit der Rutenspitze, denn dort unten am Grund stehen jetzt die Fische. Am besten geeignet ist die klassische Form des Nymphenfischens stromauf, mit einer beschwerten Fliege am langen Vorfach und entsprechendem stromauf Menden, um der Nymphe genug Zeit zum Abtauchen zu geben. Oftmals helfen aber nur wirklich schwere Fliegen, um dicht am Grund zu fischen.

Bestens dafür geeignet sind beschwerte Zuckmückenimitationen, Bachflohkrebse und Goldkopfnymphen. Gut bewährt hat sich ein Dubbing aus weißen, grauen, creme- oder olivfarbenen Fasern von Fuchs, Hase und Schaf, bei angetrübtem Wasser auch Glitzer Dubbing in ähnlichen Farbtönen. Binde nicht viele verschiedene Muster, besser sind wenige und dafür unterschiedlich beschwerte, denn so kritisch, wie wir es von Forellen und Äschen gewöhnt sind, sind die meisten Weißfische nicht. Ein kräftiger Nymphenhaken, wie zum Beispiel der 3906er von Mustad in den Größen 16 bis 10, wird jeden Fisch sicher halten und Du wirst viele Hänger vom Grund wieder lösen können. Beim dickfleischigen Maul des Alands schlitzt auch ein Haken ohne Widerhaken selten einmal aus. Zudem lässt sich so jeder Fisch schnell und schonend vom Haken lösen und gegebenenfalls zurücksetzen. Ein Bissanzeiger kann gerade in schnellen Passagen die Bissausbeute deutlich erhöhen. So gelassen und ruhig der Aland auch sonst ist, die Bisse kommen sehr schnell. Von Deinem Reaktions- und Beobachtungsvermögen wird einiges abverlangt, bis Du den ersten Fisch landen kannst.

Weißfische haben keine Fettflosse und ihr lukullischer Wert ist eher gering, doch gerade im zeitigen Frühjahr können sie uns eine spannende Fischerei bieten. Lieber fange ich einen halbpfündigen Aland, als mir zum x-ten mal die Urlaubsangelgeschichten von Onkel Paul anzuhören. Viele Tricks und Kniffe lassen sich nur in der Praxis erlernen. An Stammtischen wurde noch nie ein Fisch gefangen. Geht fischen!

Sollten Sie Fragen, Anregungen oder Bemerkungen haben, schreiben sie mir eine E-Mail.

Viel Spass beim Fischen: Mario Mücke.

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