Ein kleiner Bericht über das Salzwasserfliegenfischen in Norwegen.

Michael H. und Frank S. zwei Brandenburger am Nordmeer.

Vom 25.10.02 bis 3.11.02 waren Frank und ich (Michael) in Südnorwegen um uns mal im Fliegenfischen auf Meeresräuber zu versuchen. Makrelen sollten noch da sein, Seelachse gibt es eigentlich immer, und Meerforellenfischen ist ganz groß im Kommen; schaun mer ma! Die ersten Tage war leider nichts mit Fliege, aber dann lies der Wind nach und unsere Seelachsfliegen wurden gewässert. Frank benutzt eine Loomis GL 2 #8 mit WF 9 S und einer Dorschfliege, ich nehme eine Vision HDG #8/9, ebenfalls mit WF 9 S und noch ein Bleivorfach, sowie eine selbstentworfene Seelachsfliege. Wir suchen uns eine Stelle an der wir am 1. Tag gut mit dem Pilker fingen und lassen die Fliegen auf ca. 10m absinken, bei der leichten Drift geht das. Dann plötzlich ein Zerren an meiner Rute, ein Anschlag hat sich erübrigt, er hängt. Zunächst lässt sich der Fisch zwar schwer aber ohne große Gegenwehr heranziehen, so als ob er noch nicht realisiert hat das seine Beute einen Haken hat. Erst als ich ca. die Hälfte der Fliegenschnur wieder auf der Rolle habe, merkt der Fisch was passiert ist.......! Jetzt geht er ab der Tanz......mit unglaublicher Kraft schießt der Fisch in die Tiefe (mittlerweile haben wir 30m Wasser unter uns), die Rollenkurbel dreht sich wie ein Wirbelwind und knallt mir gegen die Finger (Vorsicht, das tut weh...). Die Bremse muss fester gestellt werden um dem Fisch Einhalt zu gebieten, die 9er Rute hat kräftig zu tun. 2-3 Mal wiederholt sich das Spiel, dann siegt die Federkraft der Rute über die Kondition eines schönen Pollacks. Kurz darauf dasselbe Spiel bei Frank, seine 8er federt bis weit ins Handteil.



Bei der nächsten Drift denke ich zunächst an einen Hänger, doch dann setzt sich ein Schnellzug in Bewegung, ich kann nicht mehr anders, Jubelschreie hallen die norwegische Küste entlang, das ist mit einer der besten Drills den ich in meiner bisherigen Anglerlaufbahn erlebt habe. Der Fisch lässt sich kaum von der Stelle bewegen und gibt dann Gas, zieht mit einer affenartigen Geschwindigkeit steil nach unten, die Rute ist weiter als zum Halbkreis gebogen und der Fisch zieht gegen die Bremse Richtung Erdmittelpunkt. Diesmal wiederholt sich das Ganze mehrmals, ich merke das mir langsam der rechte Arm lahm wird, aber auch am anderen Ende der Leine werden die Fluchten kürzer. Nach einer Ewigkeit kann ich einen 74 er Pollack gaffen, .............ein herrlicher Fisch. So geht es noch ein bischen hin und her, mal Frank, mal ich einen Pollack. Der Spuck ist vorbei als der Wind wieder stärker wird, die Fliegen kommen nicht mehr auf Tiefe. Heute fahren wir ein wenig früher raus, wir wollen die Windstille am Morgen ausnutzen. Kurzer Halt zwischen den Inseln und mit ein paar kleinen Köhlern warmgefischt. Dann raus und die Pollacks suchen. Es dauert bestimmt 2 Stunden bis wir sie gefunden haben, aber dann hat Frank seinen großen Tag. Ein Pollack um die 60 cm machen den Anfang. Dann hat er einen dran, der seiner Loomis alles abverlangt was eine Fliegenrute aushält. Ich habe noch nie gesehen das sich eine Rute so weit biegen kann. Brutal reißt der Fisch immer wieder 10m steil in die Tiefe um dann wieder die gleiche Strecke hochgepumpt zu werden. Es ist phantastisch: 78 cm und fast 10 Pfund hat der Pollack.



Frank hat immer wieder etwas in seinen Bart gebrubbelt was so klang wie "ich schreibe einen Dankesbrief an Loomis....."??! Haben die ihm die Fische drangehängt......????? Da macht sich doch Skepsis breit, wird hier mit unlauteren Mitteln gefischt..?? Frank fängt noch 2 weitere in fast dieser Güteklasse und noch 3 etwas kleinere, so zwischen 60 und 70 cm. Mir bleibt heute nur die Statistenrolle, aber wie heißt es so schön: "Hinten hat der Fuchs die Eier".......und fast hätte ich ihn ja überboten, konnte den Fisch aber nach ewigem Tauziehen nicht bis ans Boot bringen. Vom Gefühl her war er wesentlich schwerer als der 74er gestern. Heute wollten die Pollacks weiße große Fliegen und ich hatte zu lange den dunklen von gestern benutzt, egal .....heute wurden einige helle nachgebunden, da sich ein großer Fisch mit meiner letzten weißen Fliege am Grund verschanzt hatte und die Schnur an den Felsen durchscheuerte. Letztlich hatte ich jedoch 2 kleinere und einen Mittleren von 2800g. Mittags ist Schluss mit Lustig, der Wind frischt wieder auf, wir brechen ab und machen noch einige Besorgungen damit wir Morgen ganz früh wieder am Wasser sind. Wir sind früh im Boot, der Himmel ist strahlend blau und fast kein Wind. Es geht sofort zur Pollackstelle um den schwachen Wind zu nutzen. Ich gehe mit 3 Pollacks in Führung, 2 auf helle Fliegen, einen auf Dunkle. Dann schläft der Wind völlig ein, die Fische aber auch. Wir fangen wieder an zu suchen. Frank mit Pilker, ich zunächst weiter mit Fliege. Die 9er Sinkschnur geht senkrecht hinunter, man könnte auf 25m mit der Fliege fischen. Als Frank einige kleine Köhler fängt und Dorsche, nehme ich auch wieder einen Pilker. Kleine Köhler, Dorsche, Lippfische, ein Leng und einige Makrelen geben sich ein Stelldichein und sorgen für Kurzweil. Das Wetter ist phantastisch, Sonne, Sonne, Sonne und KEIN Wind, Herrlich. Kurz vor Feierabend klopfen wir nochmals die Pollackstelle ab und wieder schlägt Frank zu. Ein riesiger Pollack greift sich seine Fliege, die Rollenkurbel dreht sich wie ein Irrwisch, Frank will abbremsen, kommt mit den Fingern gegen die Kurbel, es macht platsch und die Kurbel ist abgebrochen. Jetzt heißt es den Fisch nur über Schnur und Rute zu Drillen. Bei den brutalen Fluchten biegt sich die Rute zu einem Oval, ich habe so etwas noch nie gesehen. Nach etlichen Minuten kann er den Fisch gaffen, 83 cm und 5500 g, super!!!!! Bei den ganzen Aktionen beobachtet uns eine Robbe, die ab und zu den Kopf aus dem Wasser streckt und nachschaut was wir da so treiben Ein schöner Abschluss dieses Tages. Es ist ein gutes Gefühl wenn nur zum Spaß geangelt wird. Endlich kommt man mal zum Herumprobieren, sonst fischt man ja doch nur immer auf dieselbe Weise mit der man schon mal Erfolg hatte. Da ich ja etwas zu toppen habe, versuche ich viel mit Fliege, Frank mit Pilker. Ich gehe zwar schnell mit einigen Fischen in Führung (unser Abendbrot), aber Frank hat die Großen gepachtet. Gleich zum Anfang holt er wieder einen Dorsch von 72 cm aus 20m Tiefe, mit 35 g Pilker in Grün-Silber. Es ist schon ein komisches Gefühl so einen Fisch wieder zurück zu setzen, aber warum eigentlich nicht........? Schnell ein Foto gemacht und tschüss...........



Mit gemächlichen Schwanzschlägen gleitet der Dorsch fast majestätisch wieder Richtung Grund, das ist ihm bestimmt noch nie passiert. Der Letzte Tag macht uns den Abschied leicht, sehr starker eiskalter Ostwind lässt es nicht zu, die fangträchtigen Gebiete anzufahren. So bleiben wir hinter der Insel, auch dort ist es teilweise 20 m tief. Es beisst zunächst aber nichts, erst als wir in den Bereich einer Enge treiben, kocht unter uns das Wasser, das Echolot ist voll mit Fisch, vom Grund bis zur Oberfläche. Seelachse.....!! Wir machen uns noch ein bisschen den Spaß und fangen sie mit der Fliege, alle so zwischen 30 und 40 cm. Es ist einfach riesig diese kleinen Kämpfer an der Fliegenrute zu haben, müsst ihr unbedingt mal versuchen um das nachzuempfinden. Aber der Spuk ist auch schnell wieder vorbei und es ist schweinekalt, also brechen wir ab und gehen Kofferpacken. Zusammenfassend bleibt zu sagen, mit der Fliegenrute auf Meeresräuber ist ein Höllenspass, auch wenn diesmal keine Meerforelle dabei war. Ich glaube sogar vom Spaßfaktor sind Köhler und Pollack einer MeFo weit überlegen. Die Gerätezusammenstellung ist einfach, WF Sinkschnur oder sinkender Schusskopf (je schneller desto besser), 1,5 bis 2 m 30er oder 35er Monovorfach, - fertig. Fliegen natürlich nicht vergessen. Hakengrößen von 1/0er (Seelachs und Makrele) bis zum 6/0er (für Pollack). Helle Muster scheinen etwas besser zu fangen, es können auch die ausrangierten Hechtstreamer benutzt werden.

Viele Spass und TL: Michael H.

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