Der Hundslachs, spannende Angelei am Pazifik.

Leider taucht der am weitesten verbreitete pazifische Lachs in den Fangstatistiken Nordamerikas eher selten auf, obwohl es sich um einen gewichtigen, gut zu befischenden und überaus interessanten Vertreter der Gattung Oncorhynchus handelt. Die Ignoranz ihm gegenüber läßt sich am einfachsten damit erklären, daß sein trockenes, fettarmes Fleisch bei Anglern und Fischern nicht sehr beliebt ist. Den amerikanischen Ureinwohnern dient er oft auch heute noch als Hundefutter. Ob davon sein Name abgeleitet wurde oder ob das bei den laichreifen Milchnern stark ausgeprägte hundeähnliche Gebiß den Anstoß dazu gab, wird wohl nicht geklärt werden können. Gemeint ist der Hunds- oder Ketalachs, der in seinem nordamerikanischen Verbreitungsgebiet Chum, Chumsalmon oder Dogsalmon genannt wird. Wie alle pazifischen Lachse steigt der Hundslachs alljährlich in unglaublich starken Runs zur Fortpflanzung in seine Geburtsflüsse auf. In den meisten Fällen beginnt er sein Laichgeschäft im Unterlauf der Flüsse, nur wenige Kilometer oberhalb der Flußmündungen. Im Youkon River z. B. unternimmt er jedoch Wanderungen von über 2000 Meilen um in seinen Geburtsfluß zu gelangen. Selten werden Sie im Fluß die Gelegenheit haben, blanke Fische zu beangeln, da die meisten Ketalachse schon im Meer ihr unverwechselbares Laichkleid anlegen. Genaue zeitliche Angaben über den Aufstieg der weit verbreiteten Hundslachse zu machen, ist nur sehr eingeschränkt möglich. Immerhin erstreckt sich das Verbreitungsgebiet vom kalifornischen San Lorenzo River bis zum Mac Kenzie River in Kanadas Northwest Territories und an der Ostküste des Pazifik von der Koreanischen Halbinsel bis hoch ins Sibirische Eismeer. In vielen großen Flußsystemen ist ein Frühjahrsaufstieg (Mai- Juni) und ein Herbstaufstieg (Oktober- Dezember) zu beobachten. Im Durchschnitt wiegen die Fische des Frühjahrsruns zwischen 6 und 12 Pfund und sind 3 bis 5 Jahre alt. Die im Herbst aufsteigenden Fische sind im Durchschnitt älter (4-7 Jahre) und schwerer (10-20 Pfund). Kleinere Flüsse haben oft nur einen Herbstaufstieg, der abhängig von Wasserstand und lokalen Rhythmen zwischen September und Dezember einsetzt. Während die Jungfische des Königs-, Silber-, und Rotlachses 1 bis 2 Jahre im Süßwasser verbringen, verlassen die frisch geschlüpften Jungfische des Hundslachses ihren Geburtsfluß im Frühjahr umgehend und wandern an die nahrungsreicheren Küsten. So verringert sich der Konkurrenzdruck in den ohnehin schon sehr nahrungsarmen Fließgewässern auf ein für alle Arten überlebensnotwendiges Maß. Innerhalb weniger Monate wachsen die Frys im Meer zu ca. 20 cm langen Smolts und wandern im Herbst in großen Schwärmen zu ihren Hauptweidegründen im Golf von Alaska.



Leider sind die hervorragenden Bestände auch in den amerikanischen und kanadischen Pazifikzuflüssen gefährdet. Der Rückgang hat verschiedene Ursachen; hauptverantwortlich ist der Mensch mit seinen verheerenden Eingriffen in die Ökosysteme entlang der Pazifikküste. So verfügen die anadromen Wanderfische des Pazifik zum Beispiel in Kalifornien nur noch über einen einzigen völlig unverbauten größeren Fluß (Smith River). Viele andere Fließgewässer sind durch Stauwerke für Wanderfische unpassierbar geworden. Der gnadenlose Raubbau an den einst üppigen Urwäldern fordert seinen Tribut, wie auch die Überfischung der Bestände in den Meeren durch riesige Fangflotten. Um dem entgegenzuwirken wurden in den letzten Jahren umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet, die mit einem intensiven Besatzprogramm einher gehen. Doch auch die massiven Besatzmaßnahmen sind ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Wissenschaftler vermuten, daß durch die massenhafte künstliche Reproduktion das Erbgut der Wildfische auf Dauer Schaden nehmen wird. Der Bestandsrückgang manifestiert sich derzeit im ungesunden Verhältnis von Wild- zu Zuchtfischen. So sind in einigen Gewässern Kanadas schon bis zu 35 % der gefangenen Salmoniden Zuchtfische. In den nördlicher gelegenen, teilweise völlig unerschlossenen Weiten Kanadas und Alaskas bessert sich die Situation merklich. Doch auch in den für europäische Verhältnisse sehr dünn besiedelten Gebieten ist ein Bestandsrückgang zu bemerken. Das kanadische Fischereiministerium (DFO) versucht, diesem Bestandsrückgang mit einem umfassenden Management auf verschiedenen Ebenen entgegen zu wirken. Lassen Sie mich an dieser Stelle ein Beispiel einfügen: Die kanadische Provinz British Columbia, 2,5 mal so groß wie die Bundesrepublik mit nur 3,3 Mio. Einwohnern, verfügt über 47 Hatcheries und 300 unterstützende Projekte. Die allein 1996 über 600 Mio. junge Salmoniden, davon 153 Mio. Hundslachse in ihre Gewässer eingesetzt haben. Diese staatlichen und privaten Initiativen helfen, die Bestände auf einem hohen Niveau zu halten, denn gerade der kommerzielle und sportliche Lachsfang ist in dieser Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Mit der Fliegenrute läßt sich der Hundslachs am aussichtsreichsten befischen, wenn er in seinen Geburtsfluß zurückkehrt. In unzähligen Flußsystemen halten sich dann Bestände, die es mit den besten Atlantiklachspopulationen aufnehmen können. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich kann sehr wohl nachvollziehen, wie reizvoll der Fang eines Lachses in einem skandinavischen oder schottischen Gewässer sein kann. Ich kann mir aber auch vorstellen, wie frustrierend - gerade für einen Anfänger - eine durchfischte Woche an einem Spitzenfluß zu einer Topzeit ohne einen einzigen Biß sein kann. Konkrete Empfehlungen zur erfolgreichen Befischung einzelner Monate oder gar Wochen lassen sich bei der unübersehbaren Zahl von unterschiedlichen Gewässern nicht zuverlässig geben. Ein trockener regenarmer Herbst, und der sonst zu dieser Zeit mit Hundslachsen überquellende Fluß ist leer. Sehr früh einsetzender starker Regen, der die Flüsse zum Anschwellen bringt, kann die vor der Küste wartenden Fische auch dazu veranlassen, vier Wochen früher aufzusteigen. In den Monaten August bis November steigen in einigen Regionen (z. B. Vancouver Island) vier verschiedene pazifische Lachsarten in die Flüsse auf, so daß Sie oftmals 2 oder 3 verschiedene Spezies zur gleichen Zeit in einem Gewässer befischen können.



Wenn auch an einigen Flüssen Alaskas Hundslachse regelmäßig mit der Schwimmschnur und der Trockenfliege gefangen werden, sollten Sie sich in erster Linie mit schnell sinkenden Flugschnüren oder Schußköpfen ausrüsten. Denn fast alle Hundslachse werden in tiefen Rinnen oder tiefen Pools, mit dicht am Grund angebotenen Fliegen gefangen. Bewährt haben sich 9 bis 10 Fuß lange Einhandruten der Klasse 8 bis 10, oder adäquate 13 bis 14 Fuß lange Zweihandruten. Von nordamerikanischen Fliegenfischern werden diese Ruten selten gefischt, doch an Drillsicherheit und Führungsqualität lassen sich Bihänder durch nichts ersetzen. Auf Ihre Rolle sollten Sie sich 100 %ig verlassen können, denn im Drill wird ihr einiges abverlangt. Eine tadellos funktionierende Bremse erspart Ihnen die schmerzhafte Bekanntschaft mit einer rotierenden Kurbel, beim oft zitierten "Rim Control". Sie sollte 200 Meter 30 Pfund Backing aufnehmen können und eine entsprechende Leine. Um allen Situationen am Wasser gewachsen zu sein benötigen Sie 2-3 Sinkschnüre mit unterschiedlichen Sinkraten und eine Schwimmschnur; die als Schußköpfe wenig Stauraum beanspruchen und nicht unbedingt eine Ersatzspule voraussetzen. Das spart Geld, Gewicht und Platz im meist ohnehin schon viel zu schweren Gepäck. Vorfachmaterial mit einer Tragkraft von 5, 8, 10 und 14 kg sollten Sie in ausreichender Länge von zu Hause mitbringen, da in den meisten Fällen der nächste Gerätehändler weit entfernt ist.



In den letzten Jahren hat eine Flut von Pazifiklachsfliegen das Licht der Welt erblickt, doch nur wenige sind speziell für den Fang von Ketalachsen gebunden worden. Da der Ketalachs bei der Wahl der Muster nicht ausgesprochen heikel ist, lassen sich Fliegen, die für Kings, Silberlachse oder Steelheads gebunden wurden, sehr gut verwenden. Nach meinen Erfahrungen haben sich folgende bekannte Pazifiklachsfliegen bewährt: Egg Sucking Leech, mit schwarzen Körper und rotem oder orangen Ei, Two Egg Sperm Fly, Babine Special mit rotem, orangen oder pinkfarbenem Ei, Black and Silver Comet, und rote oder orange Glo Bug Eggs ( Eiimitationen ). Aber auch viele von meinen Freunden gebundene Eigenkreationen haben Fische gefangen (siehe Bindeanleitung), solange sie nur dicht über dem Grund angeboten wurden. Dies ist, je nach Stömungsgeschwindigkeit und Wassertiefe, nur zu erreichen, wenn die Fliegen stark beschwert, an einer sehr schnell sinkenden Schnur und kurzen, ca. 50-100cm langen Vorfächern angeboten werden. Bedingt durch die grundnahe Anbieteweise werden Sie viele Fliegen durch Hänger verlieren. Darum sollten Ihre Fliegendosen gut gefüllt sein, denn nichts ist demotivierender als schon nach wenigen Tagen mit den letzten Fliegen im Fluß zu stehen und aus Angst vor dem nächsten Hänger die Fliege nur im Mittelwasser anzubieten. In 9 Tagen habe ich ca. 80 Fliegen verangelt, und war dann froh, daß ich doch Bindematerial dabei hatte, um die fängigsten Muster nachzubinden. Jede erfolgreich vom Grund gelöste Fliege sollte sofort kontrolliert werden, denn oft ist die Hakenspitze stumpf oder gar abgebrochen. Bitte beachten Sie, daß alle Verbindungen, vom Backing bis zur Fliege mit "100%igen" Knoten hergestellt werden, denn sie müssen starke Belastungen verkraften. Meinen ersten Hundslachs verlor ich nach einigen Minuten aufregenden Drills, samt Flugschnur, nur weil der Verbindungsknoten zwischen Schnur und Backing von mir nicht korrekt geknüpft worden war. Eine weitere Schwachstelle ist immer wieder das Vorfach. Sie sollten es unbedingt nach jedem Hänger, bei jedem Windknoten und beim kleinsten Anzeichen einer rauhen Stelle sofort auswechseln. Zu den unverzichtbaren Hilfsmitteln, die Sie immer zur Hand haben sollten gehören: eine Polarisationsbrille, ein Schleifstein, eine Zange zum Andrücken der Widerhaken, regendichte und warme Kleidung, ein Watstock, Bleischrote zum zusätzlichen Beschweren der Fliegen und bei Bedarf ein Schußkorb. Eine Landehilfe ist nicht unbedingt notwendig, da Sie in den meisten Fällen die Fische mit Hilfe eines zweiten Fischers schonender landen können. Es empfiehlt sich ohnehin aus Gründen der Sicherheit nie allein zu fischen. Bitte bedenken Sie, daß Sie sich als Eindringling inmitten eines nahezu intakten Gleichgewichts der Natur befinden. Gerade während der Laichzeit der Lachse kommen viele Bären in die Flußtäler, um sich vom reich gedeckten Tisch ihren Teil zu holen. Bären sind ihrer Natur nach sehr scheue Wesen, die einem Menschen immer aus dem Weg gehen. Um ihnen nicht dennoch zu nah zu kommen, ist eine hell tönende Glocke an der Kleidung angebracht sehr wirksam. Im Zweifelsfall können Sie zusätzlich auf das laute, zweistimmige singen deutscher Volkslieder vertrauen. Ich hoffe, daß ich Ihnen einen sehr interessanten, aber wenig beachteten Salmoniden etwas näher vorstellen konnte. Im Rahmen dieses Beitrages konnten leider nicht alle Aspekte, die diese weit verbreiteten Spezies betreffen, berücksichtigt werden. Sollten Sie noch weitere Fragen, Anregungen oder Bemerkungen dazu haben, senden Sie mir eine E-Mail.



Bindeanleitung
Ausgehend von dem Gedanken, daß durch eine grundnahe Anbieteweise sehr viele Fliegen durch Hänger verloren gehen würden und ich am Ziel meiner Träume keine Zeit damit verbringen wollte, erfolgreiche Fliegenmuster nachzubinden, entschloß ich mich, meine Fliegen so einfach wie nötig und in großer Zahl zu Hause zu binden. Ich konzentrierte mich auf - meiner Meinung nach - unverzichtbare Bestandteile einer Fliege, das sind Flügel und Körper und die von Pazifiklachsfliegen bekannten Farben. Sie erlauben die Muster funktionell und farblich den wichtigsten Situationen am Wasser anzupassen. Auf Kopfhechel, Topping, Tag und Tail kann zugunsten einer vereinfachten und somit effektiveren Bindeweise verzichtet werden. So ist es ohne weiteres möglich in wenigen Tagen die benötigten Muster zu binden. Die gängigsten Hakengrößen sind 1/0, 2, 4, und 6. Empfehlenswert sind starkdrähtige Haken mit einer langen Spitze, denn diese lassen sich weitaus öfter nachschleifen als Haken mit kurzer Spitze. Von jedem Muster sollten Sie mindestens 4, besser noch 6 Fliegen je Hakengröße binden. Es empfiehlt sich eher 10 Fliegen in unterschiedlichen Hakengrößen und Beschwerungen zu binden, als 20 verschiedenen Muster in einer Größe.

Bindeschritte:
1. Sollen Cone heads, Gold- oder Silberperlen als Beschwerung dienen, müssen diese vor der Grundwicklung auf den Haken geschoben werden. Möglicherweise muß dazu der Widerhaken angedrückt werden. Die Grundwicklung mit Bindefaden der Stärke 3/0 in rot für beschwerte Fliegen und in schwarz für unbeschwerte Fliegen festlegen.
2. Bleidraht festlegen und einbinden.
3. Tinsel oder Flashabou zum Rippen des Körpers festlegen.
4. Körper aus Chenille oder Floss festlegen, formen und mit Tinsel oder Flashabou rippen.
5. Flügel aus Marabou, Kalbsschwanz, Kaninchen, Fuchs oder synthetischen Materialien einbinden und mit 3-4 Fäden Krystal Flash oder Flashabou toppen.
6. Bei Bedarf können zusätzliche Beschwerungen aus Kettenaugen oder Bleiaugen auch "up side down" eingebunden werden.
7. Kopfknoten formen und lackieren.



Als sehr erfolgreich haben sich folgende Farbkombinationen erwiesen: Rot- Weiß, Rot- Schwarz, Silber- Schwarz, Orange- Schwarz, Gold- Orange. Mit diesen simplen aber sehr effektiv zu bindenden Fliegen wird an Ihre Kreativität kein sehr hoher Anspruch gestellt. Den Chums ist es gleichgültig ob eine Skykomish Sunrise oder eine in 5 Minuten gebundene namenlose Fliege durch die tiefen eines Pools fischt.

Literaturempfehlungen:
Auf deutschsprachige Literatur müssen Sie leider gänzlich verzichten, wenn Sie von einigen Artikeln in den bekannten Fliegenfischermagazinen absehen. Leider steht auch nur eine englischsprachige Publikation zur Verfügung.
"Flyfishing for Pacific Salmon" von Ferguson/ Johnson/ Trotter, Verlag: Frank Amato Publications, ISBN Nr.: 0-936608-35-8
Dieses Buch informiert Sie umfassend über alle Fragen die die Beangelung der 5 pazifischen Lachsarten betreffen.

Viele Spass und TL: Mario Mücke.




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