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Naturpark Westhavelland: verschollene Arten sollen wieder heimisch werden.

Steffen Zahn vom IGB Potsdam und Ralf Samson, Gewässerwart des KAV Kyritz, beim Aussetzen von jungen Barben in die Dosse.

Die Bilder vom Elbehochwasser 2002 und den verheerenden Fischsterben, die als Folge der Flutung der Havelpolder eintraten, sind vielen noch gut in Erinnerung. Für die Erwerbsfischer, die im Westhavelland den größten Teil der Gewässerfläche bewirtschaften, waren die ökonomischen Schäden besonders hoch. Aber auch in einigen DAV-Gewässern wie der Dosse, der Jäglitz und den dort einmündenden Gräben kam es zu teilweise erheblichen Fischverlusten. Zur Linderung der wirtschaftlichen Schäden haben Bund und Land gemeinsam die Bereitstellung finanzieller Soforthilfen für die vom Hochwasser betroffenen Betriebe veranlasst, die jetzt dem Wiederbesatz der nach Fischsterben weitgehend verödeten Gewässer zugute kommen. Neben dem Wiederaufbau nutzbarer Bestände der Hauptwirtschaftsfische Aal, Zander und Hecht ist den Fischereiausübungs-berechtigten die Wiederherstellung der ursprünglichen Artenvielfalt der Havelgewässer ein wichtiges Anliegen.
In Abstimmung mit dem Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow wurden 23.000,- für den Besatz mit seltenen und gefährdeten Fischarten reserviert, so dass am 16. Mai 80.000 vorgestreckte Nordseeschnäpel in der unteren Havel ausgesetzt werden konnten. Der Schnäpel, eine anadrome Maränenart, gehörte früher in Prignitz, Altmark und Havelland zu den wichtigsten Wirtschaftsfischen. Während der Nordseeschnäpel in Schleswig-Holstein mittlerweile in großem Umfang künstlich reproduziert wird, bereitete die Beschaffung von Zährtenbesatz größere Schwierigkeiten. Angelfreunden aus Halle (Saale) gelang es schließlich 180 Exemplare dieser ehemals weit verbreiteten Art in der Saale zu fangen. Die Fische waren 300-600 g schwer und bereits laichreif. Man hofft, dass sie in der Gülper Havel geeignete Laichplätze finden und einen neuen Bestand begründen. Unabhängig davon will man im Herbst 2003 nochmals Zährten aus der Saale in die Havel umsetzen.
Im Unterlauf der Dosse fanden 3.000 bis zu 20 cm lange Barben eine neue Heimat. Es handelt sich um Nachkommen von Elternfischen aus Elbe-Nebenflüssen Sachsen-Anhalts, die in Mecklenburg erbrütet und aufgezogen wurden. Als Leitfischart der Mittelläufe der Flüsse und Ströme war die Barbe früher auch in Brandenburg weit verbreitet, aber im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch wasserbauliche Eingriffe und Verschmutzung stark zurückgegangen. Da sich die Wasserqualität der meisten Fließgewässer in den letzten Jahren spürbar verbessert hat und der Bau von Fischaufstiegsanlagen landesweit erfreuliche Fortschritte macht, rechnen Fachleute mittel- bis langfristig mit einer Stabilisierung und Wiederausbreitung der Art in Brandenburg. In den vom LAVB bewirtschafteten Gewässern des Haveleinzugsgebietes wird die Barbe bereits seit 1999 regelmäßig durch Besatz gefördert.

Text und Foto: Ulrich Thiel, Sommer 2003.


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