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Praktischer Fischartenschutz im Aufwind.
Trotz der allgemein beklagten leeren Kassen erfahren Vorhaben zur Renaturierung
von Fließgewässern und zum Bau von Fischwegen gegenwärtig
landesweit einen erfreulichen Aufschwung. Dabei zeigen zahlreiche Beispiele
der jüngsten Vergangenheit, dass praktischer Fischartenschutz oftmals
auch mit geringen finanziellen und materiellen Aufwand zu realisieren
ist.
So wurden im Frühjahr 2002 im Revier Friedrichsgüte bei Wittstock
(Landkreis Ostprignitz-Ruppin) ein Rohrdurchlass entfernt, der die Wanderung
von Fischen und Fischnährtieren in der Fernitz, einem naturnahen
Quellzufluss der Dosse verhinderte. Die Fernitz gilt als gesetzlich geschütztes
Biotop nach § 32 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes und ist als
Lebensraum von Kleinfischen und Neunaugen fischökologisch bedeutsam.
Die Maßnahme erfolgte auf Initiative des Landesanglerverbandes Brandenburg
nach Abstimmung mit dem Leiter der Oberförsterei Neundorf, Herrn
Reumuth, und dem zuständigen Revierförster, Herrn Leibrand.
Beiden Herren sei an dieser Stelle nochmals für die gute Zusammenarbeit
gedankt. Die für die Tiefbauarbeiten anfallenden Kosten in Höhe
von € 3.000,- übernahm der LAVB. Damit der bestehende Waldweg zwischen
Friedrichsgüte und Fretzdorf für Fußgänger und Radfahrer
nutzbar bleibt, soll künftig eine Holzbrücke den früheren
Erddamm ersetzen.
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Gute Nachrichten kommen auch aus dem Landkreis Uckermark.
Parallel zu dem im Jahr 2001 begonnenen Meerforellenbesatz, der in Zusammenarbeit
mit mecklenburg-vorpommer'schern Verbänden und Institutionen erfolgt,
wird kontinuierlich an der Beseitigung von Aufstiegshindernissen in den
Fließgewässern des Ucker-Systems gearbeitet. Die maßgeblich
vom KVA Prenzlau getragenen und vom LAVB finanziell unterstützten
Bemühungen konzentrieren sich gegenwärtig auf den Köhntop-Bach,
einem linksseitigen Zufluss der Ucker. Engagierte Angler aus den Reihen
des KAV gestalteten im Juli 2002 bei Kutzerow ein seit langem funktionsloses,
halb verfallenes Wehr zur Sohlgleite um. Der Umbau erfolgte unter Einsatz
örtlich verfügbarer Materialien und überwiegend per Hand.
Technik konnte wegen schwierigen Geländebedingungen nur in begrenztem
Umfang eingesetzt werden. Durch die Maßnahme verlängerte sich
die für Fische, Neunaugen und wirbellose Tiere passierbare Fließstrecke
des Köhntop-Baches um ca. 2,5 auf nunmehr 15 km.
Auch in den südlichen Landesteilen gibt es umfangreiche Bemühungen,
die in den 60er, 70er und 80er Jahren begradigten und ausgebauten Fließgewässer
wieder in einen naturnäheren Zustand zu versetzen. Führend ist
in dieser Hinsicht der Landkreis Potsdam-Mittelmark, wo seit 1990 besonders
viele kleinere und größere Renaturierungsmaßnahmen realisiert
wurden. Das letzte größere Vorhaben dieser Art war die zwischen
November 2001 und März 2002 vom Wasser- und Bodenverband "Plane-Buckau"
durchgeführte Revitalisierung der Adda. Die Adda, ein Quellbach im
Hohen Fläming, vereinigt sich bei Niemegk mit dem Funderbach und
mündet als Buffbach bei der Komturmühle in die Plane. Die anteilig
vom Landesumweltamt und vom Naturpark "Hoher Fläming" finanzierten
Maßnahmen dienten vorwiegend der Beseitigung von Wanderhindernissen.
In dem vor Jahrzehnten zum landschaftlichen Vorfluter ausgebauten Mittel-
und Unterlauf der Adda wurden mehrere Staubauwerke entfernt und durch
flach geneigte Sohlgleiten aus Feldsteinen ersetzt. Neu gebaut wurde eine
landschaftliche Überfahrt. Sie erhielt anstelle des bisherigen, für
die Gewässerfauna unpassierbaren Betonrohres ein sog. Hamco-Profil,
welches die Wanderungen der Organismen nicht behindert. Im Oberlauf des
Gewässers, der noch naturnahe Abschnitte aufweist, wurde eine in
den 80er Jahren vom VEB Binnenfischerei Potsdam errichtete, seit Jahren
ungenutzte Forellensetzlingsanlage abgerissen und der Bach auf ca. 100
m Länge in seinen alten Lauf zurückverlegt. Außerdem wurden
Wasserfassungen und Reinigungsschächte eines bereits 1962 stillgelegten
Wasserwerkes entfernt und Laichplätze für kieslaichende Arten
angelegt. Die Wiederherstellung einer naturnahen, gewundenen Linienführung
des Mittel- und Unterlaufes (Remäandrierung) unterblieb mit Rücksicht
auf landwirtschaftliche Belange. Dennoch dürften die Maßnahmen
in ihrer Gesamtheit wesentlich zur Verbesserung der Lebens- und Reproduktionsbedingungen
von Fischen, Neunaugen und Wirbellosen beitragen.
Ulrich Thiel LAVB, Gewässerwirtschaft
Aus dem "Märkischen Angler" 4/2002, Seite 124.
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