Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern in Brandenburg.

Prignitz: Wehr Weisen mit Fischrampe nachgerüstet
Das Stepenitz- Wehr bei Weisen (Landkreis Prignitz) wurde 1989/90 neu errichtet und sollte ursprünglich die Wasserbereitstellung für ein Beregnungspumpwerk ermöglichen. Dieser Nutzungszweck entfiel nach 1990 mit der einsetzenden Umstrukturierung in der Landwirtschaft. Dennoch wurde das Wehr in den Sommermonaten weiterhin gesetzt, um ein Austrocknen der gewässernahen Grünlandbereiche zu verhindern. Die Anlage verfügte über keine Fischwege und bildete damit ein ernst zu nehmendes Wanderhindernis für die Gewässerfauna. Bedingt durch den seit 1999 laufenden Lachs- und Meerforellenbesatz und das vermehrte Auftreten von Flussneunaugen in der Stepenitz, die in Brandenburg lange als verschollen bzw. ausgestorben galten, bestand für den Eigentümer, das Landesumweltamt Brandenburg (LUA), akuter Handlungsbedarf. Es wurde entschieden, eines der drei vorhandenen Wehrfelder durch eine Fischrampe zu ersetzen. Die konstruktive Gestaltung des Fischweges erfolgte in enger Abstimmung zwischen den LUA, der Wittenberger Planungsgesellschaft PROWA Engineering und dem Landesanglerverband Brandenburg als Fischereipächter der Stepenitz. Die von der Firma Universal Bau Perleberg in guter Qualität ausgeführte Rampe wurde am 4. Juni 2002 offiziell in Betrieb genommen. Sie überwindet einen Höhenunterschied von max. 1,2 m und nimmt den gesamten Niedrigwasserabfluss der Stepenitz auf. Die Fließgeschwindigkeiten in der Anlage liegen nach Messungen des Instituts für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow zwischen 1,0 und 1,7 m/s und entsprechen damit den für Fischwege geltenden Empfehlungen der Fachliteratur. Bereits wenige Stunden nach der Inbetriebnahmen konnten die ersten Fische im Fischweg beobachtet werden. Durch die Fischrampe am Wehr Weisen ist die Stepenitz nunmehr auf einem 13 km langen Abschnitt zwischen Wittenberge und Perleberg ganzjährig passierbar.
Ulrich Thiel LAVB, Gewässerwirschaft
Aus dem "Märkischen Angler" 4/2002, Seite 123.

Die Fernitz, ein naturnaher Quellbach im Dossesystem.


Praktischer Fischartenschutz im Aufwind.
Trotz der allgemein beklagten leeren Kassen erfahren Vorhaben zur Renaturierung von Fließgewässern und zum Bau von Fischwegen gegenwärtig landesweit einen erfreulichen Aufschwung. Dabei zeigen zahlreiche Beispiele der jüngsten Vergangenheit, dass praktischer Fischartenschutz oftmals auch mit geringen finanziellen und materiellen Aufwand zu realisieren ist.
So wurden im Frühjahr 2002 im Revier Friedrichsgüte bei Wittstock (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) ein Rohrdurchlass entfernt, der die Wanderung von Fischen und Fischnährtieren in der Fernitz, einem naturnahen Quellzufluss der Dosse verhinderte. Die Fernitz gilt als gesetzlich geschütztes Biotop nach 32 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes und ist als Lebensraum von Kleinfischen und Neunaugen fischökologisch bedeutsam. Die Maßnahme erfolgte auf Initiative des Landesanglerverbandes Brandenburg nach Abstimmung mit dem Leiter der Oberförsterei Neundorf, Herrn Reumuth, und dem zuständigen Revierförster, Herrn Leibrand. Beiden Herren sei an dieser Stelle nochmals für die gute Zusammenarbeit gedankt. Die für die Tiefbauarbeiten anfallenden Kosten in Höhe von 3.000,- übernahm der LAVB. Damit der bestehende Waldweg zwischen Friedrichsgüte und Fretzdorf für Fußgänger und Radfahrer nutzbar bleibt, soll künftig eine Holzbrücke den früheren Erddamm ersetzen.



Gute Nachrichten kommen auch aus dem Landkreis Uckermark. Parallel zu dem im Jahr 2001 begonnenen Meerforellenbesatz, der in Zusammenarbeit mit mecklenburg-vorpommer'schern Verbänden und Institutionen erfolgt, wird kontinuierlich an der Beseitigung von Aufstiegshindernissen in den Fließgewässern des Ucker-Systems gearbeitet. Die maßgeblich vom KVA Prenzlau getragenen und vom LAVB finanziell unterstützten Bemühungen konzentrieren sich gegenwärtig auf den Köhntop-Bach, einem linksseitigen Zufluss der Ucker. Engagierte Angler aus den Reihen des KAV gestalteten im Juli 2002 bei Kutzerow ein seit langem funktionsloses, halb verfallenes Wehr zur Sohlgleite um. Der Umbau erfolgte unter Einsatz örtlich verfügbarer Materialien und überwiegend per Hand. Technik konnte wegen schwierigen Geländebedingungen nur in begrenztem Umfang eingesetzt werden. Durch die Maßnahme verlängerte sich die für Fische, Neunaugen und wirbellose Tiere passierbare Fließstrecke des Köhntop-Baches um ca. 2,5 auf nunmehr 15 km.

Auch in den südlichen Landesteilen gibt es umfangreiche Bemühungen, die in den 60er, 70er und 80er Jahren begradigten und ausgebauten Fließgewässer wieder in einen naturnäheren Zustand zu versetzen. Führend ist in dieser Hinsicht der Landkreis Potsdam-Mittelmark, wo seit 1990 besonders viele kleinere und größere Renaturierungsmaßnahmen realisiert wurden. Das letzte größere Vorhaben dieser Art war die zwischen November 2001 und März 2002 vom Wasser- und Bodenverband "Plane-Buckau" durchgeführte Revitalisierung der Adda. Die Adda, ein Quellbach im Hohen Fläming, vereinigt sich bei Niemegk mit dem Funderbach und mündet als Buffbach bei der Komturmühle in die Plane. Die anteilig vom Landesumweltamt und vom Naturpark "Hoher Fläming" finanzierten Maßnahmen dienten vorwiegend der Beseitigung von Wanderhindernissen. In dem vor Jahrzehnten zum landschaftlichen Vorfluter ausgebauten Mittel- und Unterlauf der Adda wurden mehrere Staubauwerke entfernt und durch flach geneigte Sohlgleiten aus Feldsteinen ersetzt. Neu gebaut wurde eine landschaftliche Überfahrt. Sie erhielt anstelle des bisherigen, für die Gewässerfauna unpassierbaren Betonrohres ein sog. Hamco-Profil, welches die Wanderungen der Organismen nicht behindert. Im Oberlauf des Gewässers, der noch naturnahe Abschnitte aufweist, wurde eine in den 80er Jahren vom VEB Binnenfischerei Potsdam errichtete, seit Jahren ungenutzte Forellensetzlingsanlage abgerissen und der Bach auf ca. 100 m Länge in seinen alten Lauf zurückverlegt. Außerdem wurden Wasserfassungen und Reinigungsschächte eines bereits 1962 stillgelegten Wasserwerkes entfernt und Laichplätze für kieslaichende Arten angelegt. Die Wiederherstellung einer naturnahen, gewundenen Linienführung des Mittel- und Unterlaufes (Remäandrierung) unterblieb mit Rücksicht auf landwirtschaftliche Belange. Dennoch dürften die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit wesentlich zur Verbesserung der Lebens- und Reproduktionsbedingungen von Fischen, Neunaugen und Wirbellosen beitragen.
Ulrich Thiel LAVB, Gewässerwirtschaft
Aus dem "Märkischen Angler" 4/2002, Seite 124.


Hier seht Ihr einige gute Beispiele für den Rückbau von Stauanlagen in Brandenburg.

Die im Dezember 2001 als Ersatz für ein früheres Mühlwehr fertiggestellte Sohlgleite im Schlatbach bei Gramzow, Landkreis Prignitz, überwindet einen Höhenunterschied von fast 2 m.
Steinriegel bilden eine Beckenstruktur, die die Passierbarkeit für Fische und Fischnährtiere auch bei sommerlicher Niedrigwasserführung sichert.
Planung und Bauausführung der Gleite wurden vom Naturschutzfonds Brandenburg mit 40.860,- DM gefördert. Außerdem setzte der Landesanglerverband Brandenburg als Fischereipächter und Träger der Maßnahme Eigenmittel in Höhe von 10.540,- DM ein.

Als einer der wasserreichsten Zuflüsse der Stepenitz ist der Schlatbach in das brandenburgische Wiedereinbürgerungsprogramm für Großsalmoniden eingebunden. Bisher wurden hier insgesamt 105.000 Meerforellenbrütlinge ausgesetzt. In diesem Jahr werden die ersten Rückkehrer erwartet. Um die Bedingungen für die natürliche Vermehrung von Neunaugen und kieslaichenden Fischen zu verbessern, wurden im Ober- und Unterwasser der Gleite künstliche Laichplätze angelegt.

Sohlgleite an der Temnitz bei Garz.



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