Einblicke in die Welt der Wissenschaft.

Machen Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern Sinn? Wie schnell lassen sich erste Erfolge erzielen? Gibt es Erfahrungswerte oder nachlesbare Studien zu bestimmten Verfahren? Womit soll zuerst begonnen werden? Das neue Ideen erfolgreich sein können, zeigen uns die Ergebnisse der letzten Jahre, nicht nur in Brandenburg, ganz deutlich. An dieser Stelle findet Ihr interessante Lektüre zu verschiedenen Themen der Fließgewässerrenaturierung.

Äsche Gefährdete Äschenlaichplätze der Aare in Thun. Die Äsche ist in der Schweiz gefährdet und nach Berner Konvention gesamteuropäisch geschützt. Im Thunersee lebt eine Äschenpopulation von nationaler Bedeutung, deren grosses Laichgebiet sich im Ausfluss der Aare aus dem See befindet. Zur Verminderung der Hochwassergefahr in Thun wurde neben anderen Lösungsansätzen die Ausbaggerung der Aaresohle im Ausfluss des Thunersees als eine mögliche Massnahme in Betracht gezogen. Stark betroffen wäre das Laichgebiet der Äschenpopulation. Je nach Abfluss ginge ein Hektar bester Laichplatz verloren. Angesichts der Gefährdung der Art und der grossen Bedeutung der Population, sollten die Laichplatzverluste durch die Schaffung von Ersatzlaichplätzen und die Verbesserung der Uferstrukturen kompensiert werden. Die komplette Arbeit (7,3 MB) kann HIER als pdf herunter geladen werden. Ihr findet in der Arbeit eine Fülle von Anregungen zur Verbesserung von Kieslaichplätzen.

An der Dosse wurden mit Fördermitteln der Brandenburger Landesregierung und des Wasser- und Bodenverbandes Dosse/Jäglitz, sowie mit fachlicher und finanzieller Unterstützung des Landesanglerverbandes Brandenburg, zwei Wehre zu Sohlgleiten mit Laichhabitaten umgebaut. Geplant wurden die Maßnahmen durch das Ingenieurbüro Ellmann und Schulze aus Sieversdorf.
Die Bauweise dieser Sohlgleiten ist in einigen Kreisen umstritten und wurde nun im Rahmen einer Diplomarbeit erstmals auf ihre Wirksamkeit und ihre Bedeutung für das Bachbiotop untersucht und bewertet. Fabian Völker, Fliegenfischer und Vereinsmitglied, hat auf dieser Seite seine Ergebnisse für Euch zusammen gefasst. Die komplette Diplomarbeit (3 MB) kann als pdf HIER herunter geladen werden.

Ephemera danica Makrozoobenthos der Dosse. Für seine Diplomarbeit hat Fabian die Kleintiere des Wassers in der Dosse näher untersucht und ihre Verteilung über renaturierte und nicht renaturierte Abschnitte betrachtet. Dabei sind sehr interessante Zahlen und Untersuchungsergebnisse heraus gekommen. Einige Zahlen und Hintergründe lassen sich auf ähnliche Gewässer Brandenburgs übertragen und bieten somit für Interessierte einen guten Einblick in die Insektenwelt vor ihrer Haustür.


Lepidostoma hirtum
Heptagenia sulphurea
Isoperla grammatica
Seratella ignita
Paraleptophlebia submarginata
Caenis rivulorum
Ephemera danica
Maifliege
Köcherfliege
Steinfliege
Baetis spec.
Heptagenia sulphurea
Fischökologische Bewertung von Renaturierungsmaßnahmen an der Dosse.

Die Dosse ist einer der am stärksten anthropogen beeinflussten Fließgewässer im Land Brandenburg. In den letzten Jahrzehnten wurde die Dosse durch rund 30 Stauwehre hauptsächlich in ihrer Fließgeschwindigkeit gemindert und dadurch eine natürliche Fließgewässerdynamik unterbunden. Weiterhin ist der Lauf verlagert und begradigt worden. Dies zog ein Verlust an kies- und steingeprägten Sohlensubstraten, und damit einen Verlust an wichtigen Habitaten für die bachtypische Fauna nach sich. Die Aufstauungen führten zu einem Rückgang der fließgewässertypischen Tierformen und zu einer Zunahme von Biozönosen der Stillgewässer.
Durch neue Umweltgesetze und - verordnungen (BNatSchG, EU-FFH-Richtlinie, EU-WRRL) auf nationaler und internationaler Ebene wird eine ökologische Verbesserung der Fließgewässer gefordert. Diese Ziele sollen mit Hilfe unterschiedlicher Maßnahmen erreicht werden. Forderungen bestehen darin, dass die Fließgewässer in ganzer Länge für alle Lebewesen durchgängig sein sollen und die Entwicklung natürlicher Strukturen ermöglicht wird (EU-WRRL). Um dies zu gewährleisten werden z.B. nicht mehr notwendige Stauwehre durch Sohlgleiten ersetzt und Buhnen als Strukturen in begradigten Strecken eingebracht.
Nun stellt sich die Frage, welchen Stellenwert diese Renaturierungsmaßnahmen als Lebensraum für ein Fließgewässer haben und ob die Sohlgleiten in ihrer Ausführung dem Leitbild eines Tieflandbaches entsprechen. Es sollte eine Bewertung der Maßnahmen erfolgen.
In dieser Diplomarbeit wurden 2 Sohlgleiten und eine Buhnenstrecke in der Dosse bezugnehmend dieser Fragestellung hin untersucht und mit anderen Abschnitten des Baches verglichen. Die Hauptargumentation erfolgte auf Basis der Ergebnisse mehrfacher Befischungen. Weiterhin wurden mehrmalige Erhebungen zum Makrozoobenthos und Strömungsvielfalt durchgeführt. Einmalig wurde der Makrophytenbewuchs und die Strukturdiversität erfasst.
Die Ergebnisse zeigten, dass besonders die Sohlgleiten einen sehr hohen Stellenwert für die bachtypische Fischfauna besitzen. Sie dienen mit ihrem kiesig-steinigen Substrat als großflächiger Laichplatz und ganzjährigem Lebensraum mehrerer rheophiler Fischarten. Die Sohlgleiten sind punktuelle Biotope mit hoher Wertigkeit, da die Dosse auf Grund ihrer anthropogenen Überprägung solche Habitate nur noch im sehr geringem Ausmaß aufweist.
Die Fischzönose wies eine deutliche Verschiebung in qualitativer und quantitativer Hinsicht, rheophiler Arten im Bereich der Sohlgleiten auf. Die Resultate der Buhnenstrecke ergaben zumindest eine qualitative Verbesserung, jedoch noch keine eindeutige quantitative Veränderung der Fischlebensgemeinschaft. Die Ergebnisse der Makrozoobenthoserhebungen bestätigten dies nur bedingt und nicht im gleichem Ausmaß wie die Fischerhebungen. Nach den Ergebnissen der Strömungsvielfalt und Strukturdiversität werden alle wasserbaulichen Anforderungen an den Sohlgleiten erfüllt. Jedoch entsprechen die verwendeten Gefälleraten nicht dem entsprechenden Fließgewässerleitbild. Auf beiden Sohlgleiten konnten beginnende Substratverlagerungen festgestellt werden. Die Sohlgleite Baumannsbrücke war zeitweise rückstaubeeinflusst. Letztendlich wurden Empfehlungen zur weiteren Entwicklung der renaturierten Abschnitte ausgearbeitet. Einerseits wurde für die Buhnenstrecke eine Beschattung und ein weiterer Eintrag von Kies und Steinen empfohlen, um eine weitere Eintiefung zu verhindern. Andererseits ist auf beiden Sohlgleiten eine weiterführende Beobachtung der Substratverlagerung nötig, um frühzeitig eine negative Entwicklung der baulichen Struktur festzustellen und entsprechende Gegenmaßnahmen durchzuführen. Bei zukünftigen Sohlgleiten sollten die Gefälleraten dem Leitbild des Fließgewässers angepasst sein. Das zieht eine noch großflächigere, bauliche Ausführung und eine daraus höher resultierende Wertigkeit dieser Maßnahmen für die bachtypische Fischfauna nach sich.
Text und Fotos: Fabian Völker
Anmerkungen und Hinweise an: fabianvoelker@web.de

Vielen Dank!
Ich danke Herrn Dr. Christian Wolter vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin für die Vergabe des Themas, für die Unterstützung während der Befischungen an der Dosse und für die Betreuung bei der Ausarbeitung dieser Diplomarbeit, weiterhin Frau Prof. Antje Stöckmann als Betreuerin an der Fachhochschule Eberswalde.
Bei Herrn Mario Brauns, ebenfalls vom Leibnitzinstitut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, bei Herrn Stefan Blechschmidt vom Landesumwelt Brandenburg, Abteilung Wasserwirtschaft, bei den Mitgliedern des Angelvereines Fario e. V, Herrn Ulrich Thiel als Gewässerwart des Landesanglerverbandes, und den Mitkommilitonen Markus Faller von der Humbolt-Universität Berlin und Daniel Jonelat von der Fachhochschule Eberswalde.
Sohlgleite im Sommer.
Sohlgleite im Winter.
E-fischen
E-fischen
Wasserstern
Bachschmerle
Hasel
Elritze
Bachforellen
Bachforelle
Bachforelle
Bachforelle


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